Montag, 18. Oktober 2010

Auto-Gerüchte: Ford liebäugelt mit Verkauf von Mazda-Aktien

Es käme nicht wirklich überraschend, schreibe ich im "Standard": Nach japanischen Medienberichten plant seinen Aktienanteil an seinem langjährigem Partner Mazda drastisch von elf auf drei Prozent zu senken. Als Käufer sollen die Finanzgruppe Sumitomo Mitsui, das Handelshaus Sumitomo sowie Mazda-Zulieferer bereit stehen. Zwar erklären Ford und Mazda bisher, es habe keine Veränderung der Aktienanteile gegeben. Experten rechnen aber damit, dass sich Mazda nun nach einem neuen Partner umsehen muss.


Fords Aktienverkauf würde de facto das Ende einer der längsten und fruchtbarsten internationalen Partnerschaften in der Autoindustrie besiegeln. Ford stieg 1979 in Mazda ein und profitierte immens vom Produktionsknowhow der Japaner bei Kleinwagen und Limousinen. So wird der neue Ford Fiesta auf der Plattform des Mazda 2  und die Mittelklasselimousine Ford Fusion auf der Basis des Mazda6 gebaut. Zudem rollt in Thailand gemeinsames Pickup-Modell in einem Gemeinschaftwerk vom Band.


Auch personell sind die Unternehmen eng verbunden. 1996 stockte Ford seinen Anteil an den Japanern von 25 auf 33,4 Prozent auf, um Mazda zu sanieren. Danach diente Mazda den Amerikanern fast ein Jahrzehnt als Trainingsbecken für seine künftigen Konzernvorstände. So leiteten Fords Amerika-Chef Mark Fields und der Finanzchef Lewis Booth Mazda mehrere Jahre.


Doch nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 musste Ford wegen Finanzproblemen seinen Aktienpaket bereits drastisch auf 18 Prozent reduzieren. Kapitalerweiterungen Mazdas reduzierten Fords Anteil weiter.


Damit einher ging auch eine Entflechtung der technischen Zusammenarbeit. Ihre Finanzierungsgesellschaften haben beide Unternehmen bereits getrennt. Ende letzten Jahres deutete Ford zudem an, dass neue Modelle ohne Mazdas Beistand bauen zu wollen. Nun wollen die beiden Partner ihr gemeinsames chinesisches Joint-Venture mit Chonqing Changan Automobile in zwei bilatere, ein chinesisch-japanisches und chinesisch-amerikanisches, aufspalten und im größten Automarkt der Welt künftig direkt gegeneinander antreten.


Die Trennung auf Raten stellt vor allem Mazda vor die Herausforderung, einen neuen Partner zu finden. Denn mit einem globalen Umsatz von nur 1,2 Millionen Autos und zuletzt zwei verlustreichen Jahren gilt das Unternehmen als zu klein und zu unprofitabel, um auf sich allein gestellt im Weltmarkt überleben zu können.
Besonders bei neuen Antriebskonzepten wie Hybrid- und Elektroantrieben ist das Unternehmen auf Hilfe angewiesen. Die Technik für Hybridautos, die sowohl einen Benzin- als auch einen Elektromotor haben, bezieht Mazda von Toyota. Aber ein neuer globaler Entwicklungspartner ist nicht in Sicht.


Ich frage mich allerdings, was die Japaner noch zu bieten haben. Der RX 8 mit seinem wahnsinnigen Wankelmotor ist zwar ein technisches Juwel, aber so richtig große Zukunft hat der Drehkolben eher nicht. Bei Brennstoffzellen hat Mazda einiges an Knowhow. Aber im Gegensatz zu dem ebenfalls kleinen Hersteller Mitsubishi Motors, der sich als eAuto-Lieferant von Peugeot und Citroen profiliert, steht das Unternehmen in viel gehypten eMobility ziemlich nackt da.

Kommentare:

  1. Der Wankelmotor hat, fuer Wasserstoff als Kraftstoff sogar wesentlich bessere Zukunftsaussichten als der herkoemmliche Kolbenmotor! Allein schon durch die getrennten Ein- und Auslassbereiche und der damit ungleichmaessigen Temeperaturverteilung ueber den Motorquerschnitt ist er der ideale Kandidat fuer H2-Beschickung. Das ist aber nur ein Grund von vielen. Ein Ingenieur aus dem KFZ-Bau kann Ihnen sicher noch viele weitere nennen.

    Ergaenzend noch ein Link zum Mazda-H2-Premacy:
    http://www.mazda.com/publicity/release/2009/200905/090526a.html

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  2. Nur glaube ich nicht an die Zukunft von Wasserstoff als Kraftstoff für Verbrennungsmotoren. Die Entwicklung scheint mir doch eher in Richtung Brennstoffzelle zu gehen. Und um BMWs Wasserstoffauto scheint es auch schon deutlich ruhiger geworden zu sein.

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