Montag, 22. November 2010

Nordkoreas Urananreicherung: "Es ist keine Krise" (nur ein kleiner Realitätsschock)

Langsam wird jedem klar, dass wir wohl lernen müssen, mit Nordkoreas Bombe zu leben. Man mag es mögen oder nicht, Nordkorea wird seinen Status als Atommacht wohl nicht aufgeben. 


Nordkoreas Urananreicherungsprogramm wühlt die Medien in Ostasien auf. Aber der Chefunterhändler der USA, Stephen Bosworth, gab sich am Montag in Seoul gelassen: „Dies ist offensichtlich eine enttäuschende Nachricht, es auch ein weiterer Schritt in der einer Serie von Provokationen. Dennoch ist dies keine Krise. Wir wurden davon nicht überrascht. Wir haben das Vorhabendes Norden. Uran anzureichern, seit einiger Zeit beobachtet und analysiert.“

Bosworth sagte auch, dass die US-Regierung dadurch nicht ihre bisherige Nordkorea-Politik als Fehlschlag einstufen würde. Allerdings müsse sie „weiterentwickelt“ werden. „Wir müssen dies (die neue Entwicklung) künftig in unsere Strategie einbeziehen.“

Der US-Alliierte Südkorea gab sich hingegen überrascht und besorgt von der Nachricht. Verteidiungsminister Kim Tae-young drohte gestern, dass Südkorea die USA wieder bitten könnte, Atomwaffen in Südkorea zu stationieren.

Auch die Medien fordern eine Kurswende. Die jüngste Enthüllung „markiert eine neue Phase“, schrieb die Tageszeitung Hankyoreh. Gleichzeitig ließ sie Moong, Chung-in, Professor von der Yonsei-Universität das Ende der bisherigen Taktik der Staatengemeinschaft verkünden, Nordkorea zu einer nukleare Abrüstung zu zwingen. Die Anreicherungsanlage zeige klar, „es ist unmöglich ist, das Problem durch Sanktionen allein zu lösen. Wenn wir nicht Verhandlungen anstreben, bleiben nur noch militärische Maßnahmen.“

Doch für Doug Bandow vom Cato Institut sind auch diese beiden Optionen fruchtlos. „Nordkorea ist eine nukleare Macht. Die US sollten sich daran gewöhnen“, stellte er in einem Gastartikel für die Korea Times fest, „Washingtons Versuch, die demokratische Volksrepublik Korea darin zu hindern, Atomwaffen anzuschaffen, ist tot.“ Verhandlungen würden nicht schaden, aber wahrscheinlich auch nutzlos sein. Zu wertvoll seien die Atomwaffen außen-, doch vor allem innenpolitisch fürs Regime. Denn indem Nordkoreas Führer Kim Jong-il seinen Generälen die Bombe gibt, hält er sie bei der Fahne.

Bandows Vorschlag: Die USA ziehen die Truppen aus Korea und ihre Diplomaten aus den Verhandlungen ab und überlassen das Problem den Nachbarn. Für den Fall, dass der Norden weiter aufrüstet, schlägt er vor, Japan und Südkorea die atomare Bewaffnung zu erlauben. „Die Verbreitung von Atombomben in Nordostasien mag ein Albtraum sein, aber es wird einer sein, den auch Beijing teilt.“

Wahrscheinlicher ist jedoch ein Szenario, dass Südkoreas Ministerpräsident Lee Myung-bak bei einem Treffen mit einem japanischen Oppositionspolitiker in Seoul andeutete, ein Ausbau der Zusammenarbeit mit Japan und den USA. „Japan, Amerika und Korea müssen gut zusammenarbeiten und eine Antwort finden“, so Lee gestern.


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