Sonntag, 10. Oktober 2010

Das Roboter-Manifest, Teil 2: Googles Roboter-Auto und meine Roboter-Timeline

Übers Wochenende haben sich die Meldungen über Roboter-Autos überschlagen. Erst steuert "Leonie" durch Braunschweig, dann das Google-Roboterauto durch Kalifornien
In dem Bild-Artikel geht der Forscher Sebastian Thrun davon aus, dass richtige "Automobile", also wirklich selbst fahrende Wagen, in den kommenden acht Jahren fertig entwickelt werden könnten. 

In meinem Roboter-Manifest auf Technology Review habe ich bereits im Mai eine ähnliche Vorhersage gemacht (die allerdings von den Redakteuren etwas gekürzt wurde.
Hier ist sie in voller Länge:

Das Roboter-Manifest 
2010 Medizinsortierroboter etc werden für Krankenhäuser eingeführt, der Verkauf von Cyberdynes Roboteranzug HAL beginnt ernsthaft. Und Daimler lässt einige fahrerischen Testroutinen seiner Luxuslimousinen durch Roboterfahrer ausführen.

2011 Tokyo Motor Show. Japans Hersteller werden mit einer Reihe marktreifer Mobilitätskonzepte zu überraschen versuchen, die auf Robotertechniken basieren. 
Kleine Ein-Personen-Renner wie Toyotas rasender Sessel ("i-Real") zum Beispiel, der auf Zuruf herbeikommen und beim Ausflug neben anderen Personen herfahren kann. Außerdem: autonome Rollstühle. 
Damit zeichnet sich ab, was sich Ende des Jahrzehnts bestätigen wird: Aus naheliegenden Gründen wird die Autoindustrie neben Fabriken und Pflegeeinrichtungen zur treibenden Kraft der Roboterisierung. 
Die Hersteller haben in den vergangenen 20 Jahren schon so viele Sensoren zur Wahrnehmung der Umwelt in Autos eingebaut, dass der Schritt zum wahren Automobil, dem Auto mit Roboterchauffeur, zwangsläufig ist. Außerdem rücken die ersten Roboter in der Industrie aus ihren Käfigen neben den Menschen ans Fließband oder die Werkbank vor. Noch beliebter ist allerdings die Ausstattung von Werkzeugen/Maschinen mit Robotertechniken.

2012 ist der Meilenstein für Partner- und Pflegeroboter. 
Die Industrie hat sich auf Sicherheitsstandards und versicherungstechnische Regeln für den Einsatz autonomer und halbautonomer Roboter unter Menschen geeinigt. Und prompt kommen die ersten Pflegeroboter in größeren Stückzahlen auf den Markt. Panasonics Roboterbett zum Beispiel, das sich von einem Bett in einen Rollstuhl verwandeln kann und so bettlägerigen Menschen eigenständige Mobilität erlaubt, wird mit unter 10.000 Dollar im Vergleich zu anderen Hightech-Krankenhausbetten gar nicht mal so teuer sein.

Außerdem: Das japanische Forschungsinstitut Riken stellt eine Weiterentwicklung seiner Gedankensteuerung von Rollstühlen vor. Die Fahrer müssen keine Haube mit zahlreichen Kontaktkabeln mehr tragen, eine fesche Baseballkappe mit wenigen Sensoren reicht. Damit eröffnen sich ganz neue Perspektiven für die Mensch-Maschine-Kommunikation. "In fünf Jahren werden wir die Sensoren im Brillenbügel unterbringen können", verspricht ein Forscher.

Bis 2013 dürfte die Roboterindustrie eine wahre Partnerroboterexplosion erleben. Denn durch jahrelange kollektive Forschung auf offenen Entwicklungsplattformen haben die notwendigen Sensor- und Mapping-Techniken endlich ein kommerzielles Niveau erreicht. Diese Form der simplen Helfer ist beliebt, weil Patienten dann für einfache Handreichungen nicht mehr das Pflegepersonal rufen müssen. Merke: Menschen wollen anderen nicht zur Last fallen.

Als Hitprodukte können sich jedoch zwei eher spielerische Anwendungen herausstellen. Da sind zum einen Stofftiere wie Fujitsus freundliche Roboter, denen für komplexe Aufgaben wie Sprach- und Gesichtserkennung durch die schnurlose Verbindung zum Internet die Rechenpower großer Server zur Verfügung steht. Sie sind besonders beliebt bei Kindern und Senioren als Kommunikations- und Vorleseroboter.

Zum anderen bringen Spielzeughersteller halbautonome Roboter auf den Markt, die sich über die Full-Body-Steuerung von Spielekonsolen steuern lassen. Besonders beliebt in Japan könnten dann Wettkämpfe zwischen 50 Zentimetern hohen Gundam-Robotern werden. Ein (koreanischer) Hersteller wird das Spektrum zusätzlich mit der Idee erweitern, über das Internet in weit entfernte rollende Roboter zu "schlüpfen", ohne körperlich vor Ort zu sein.

Der Partyhit 2014: telekontrollierte Roboterhände, die an einer rollbaren Säule angebracht sind. Laut der Werbung sollen die noch recht plumpen und teuren Hände getrennten Liebhabern zum Fernstreicheln dienen. In der Realität werden sie allerdings häufiger in Restaurants und auf Partys als Stimmungskanonen eingesetzt, mit der Gäste andere Gäste mehr oder weniger unsittlich betatschen können. Komischerweise finden die Leute dies weitaus lustiger als Berührungen durch eine richtige Hand. 

Außerdem möglich: Cyborgs! Roboterprothesen kommen immer mehr in Mode, nachdem Cyberdine nicht nur anschnallbare Exoskelette für Beine und Arme entwickelt hat, sondern auch richtigen Bein- und Handersatz. Die Patienten mögen die Prothesen, da sie auf nichtinvasiver Technik beruhen. Sie können Bewegungsintention ihrer Träger über die Haut ablesen und benötigen daher keinen operativen Eingriff.

Für 2015 sage ich auf der Tokyo Motorshow erste Vorschläge für wahre Automobile voraus – kleine Elektroautos mit Roboterchauffeur. Die Idee ist, sie als einfach abrufbare Taxis im Straßenverkehr einzusetzen. Zwei Methoden sind heute schon im Gespräch: einmal das vollautonome Auto, das ohne menschlichen Fahrer auskommt, zum anderen die halbautonome Droschke, die selbsttätig zum Kunden fährt und sich auf Handbetrieb umschalten lässt. "Ich wäre sehr enttäuscht, wenn wir die ersten Modelle nicht bis Ende des Jahrzehnts auf die Straße brächten", sagt der Chef eines japanischen Autobauers. Damit zeichnet sich eine Revolution der Autogesellschaft ab. Immer weniger Menschen werden noch Autos selbst besitzen, weil sie individuelle Automobilität immer und überall parat haben.

2016 ist ein wenig enttäuschend. Es gibt keine Bahn brechenden Neuerungen, vielmehr wird bestehendes verbessert und vor allem verbilligt. Aber es ist wie beim Internet und der digitalen Fotografiererei. Die Entwicklung schreitet langsam in Riesenschritten voran, und ehe wir uns versehen, hat eine Revolution stattgefunden.

Für etwas Aufsehen sorgt die erste Ro-Butler Weltmeisterschaft. Die Diener müssen einen harten Zehnkampf bewältigen: Erkennnung und Ausführung von Sprachbefehlen, Gesichts-, Mimik- und Stimmungserkennung, autonomes Mapping einer neuen Umgebung inklusive Erkennung der Funktion von Geräten und Einrichtungsgegenständen, unter einer Minute Wasser aus dem Kühlschrank holen und servieren, ein Toast toasten und servieren, abdecken, Geschirr in die Spülmaschine räumen, vorlesen, Fähigkeiten der Außenverbindung und Informationsaufbereitung (Display oder Projektor) unter Beweis stellen – und als ultimative Herausforderung Schinken mit Spiegelei zubereiten und heil servieren (das Eigelb muss noch halbweich sein).

2017 überrascht ein chinesischer Hersteller mit der Praxisdemo eines Roboterautos. Das sieht schon sehr gut aus, aber selbst die Chinesen scheuen sich noch, das Gefährt in freier Wildbahn einzusetzen. „Das könnten wir vielleicht in Japan wagen, wo die Fahrer gesittet fahren, hier in China ist der Verkehr noch immer viel zu rabiat und chaotisch“, sagt ein Ingenieur.

2018 ziehen auch die Japaner mit Prototypen nach. 

Die ersten Modelle werden für 2019 versprochen und auch ausgeliefert. Aber sie werden noch nicht so schnell das Straßenbild bestimmen, denn der Ersatz des Taxi und vor allem individuellen Autobestands wird Jahre in Anspruch nehmen. Auf den humanoiden Alleskönner musst du allerdings noch eine Weile warten, sagt das Orakel.

Freitag, 8. Oktober 2010

Buchrezension: Was macht das Internet mit unserem Hirn?

Ok, der Artikel, auf den ich jetzt hinweisen werde, ist nicht brandneu, aber vielleicht dennoch von Interesse. 
"Die Welt" hat vorige Woche meine Buchrezension des neuen Buchs US-Internet-Gurus/-Kritikers Nicholas Carr, "The Shallows - What The Internet Does To Our Brains", veröffentlicht. 


Wie FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in seinem Buch "Payback" hat Carrs beobachtet, dass seine Fähigkeit, lange Texte zu lesen, abgenommen hat. 


Verantwortlich für diese Entwicklung ist für ihn das Internet, dass durch seine technische Wirkungsweise unser Gehirn neu verdrahtet. 


Carrs These ist, dass jede Technik auf neuraler Ebene unser Gehirn und damit unser Denken verändert, in diesem Fall zum Schlechten. Während der Buchdruck in seinen Augen die Kunst des "tiefen Lesens" und damit Denkens demokratisiert hat, glaubt Carr, dass das Internet unser Denken und damit unserer Fühlen systemisch verflacht. Denn es zerstreut durch die ewige Erreichbarkeit, den Zwang zu schnellen Antworten auf eMails, multimediale Angebote und die vielen Links in Texten unsere Aufmerksamkeit und zerstört die Konzentration, die wir für die Abspeicherung von Informationen in unserem Langzeitgedächtnis benötigen. 


Ich habe das Buch sehr genossen. Denn es beschreibt nicht nur detailliert und verständlich die neurologischen Auswirkungen des Internets auf unser Hirn, sondern erinnert uns nebenbei mit einer Fülle von Einsichten alter Denker an die Entwicklungs- und Wirkungsgeschichte intellektueller Techniken


Dennoch ist es nicht mehr als ein sehr gutes Fundament für die notwendige Diskussion über die Frage, was wir Menschen werden wollen. Denn Carr liefert keine Lösungen für das Dilemma, einerseits das Internet nicht mehr abschaffen zu können und andererseits entgegen seiner inhärenten Wirkungsweise das tiefe Denken bewahren oder gar fördern zu wollen. Am Ende wird er sogar wieder recht pessimistisch. Das wichtige sei nicht das Werden, sondern was wir werden.
Foto: Commons  http://spaceresearch.nasa.gov/general_info/05feb_superconductor.html

Japan plant neues Konjunkturprogramm

Während Deutschland derzeit in unerwarteten Wachstumshoffnungen schwelgt, kämpft Japan gegen einen Rückfall in die Krise. Nachdem die massiven Währungseingriffen zur Schwächung des Yen bereits verpufft sind, hat sie am Freitag zusätzlich ein neues Konjunkturprogramm in Höhe von 5000 Mrd. Yen (43,5 Mrd. Euro) auf den Weg gebracht. Das Programm soll das Wachstum um 0,6 Prozentpunkte erhöhen und 450000 bis 500000 Jobs sichern, erklärte das Finanzministerium.

Auslöser des Programms ist die Angst, dass der schnelle Anstieg des Yen den Aufschwung abwürgen könnte. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt hatte sich bereits im vorigen Quartal verlangsamt. Doch schlimmer noch, bereits jetzt erwarten die Firmen eine rapide Verschlechterung des Geschäftsklima im letzten Quartal des Jahres, weil sich Japans Exportprodukte durch den Höhenflug des Yen besonders gegenüber den südkoreanischen Rivalen verteuern.

In einer ersten Notmaßnahme hatte die Regierung vor wenigen Wochen erstmals seit secheinhalb Jahren am Währungsmarkt eingegriffen, um den Dollar zu stärken, der auf den tiefsten Stand seit 1995 gefallen war. Diese Woche senkte zudem die Notenbank den Zins auf Null Prozent und kündete andere Maßnahmen an, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Doch da Geldpolitik in der Regel erst mit einer Verspätung von 12 bis 18 Monaten voll auf die Konjunktur durchschlägt, sah sich die Regierung in der Pflicht, ihrerseits kurzfristiger die Wirtschaft zu stützen. 

Rund 3100 Mrd. Yen des Pakets hat die Regierung zur Förderung der Regionen, Investitionen in gesellschaftlich notwendige Einrichtungen und die Stützung von Kleinunternehmen eingeplant. Zudem will die Regierung auch Geld für die Suche nach Alternativen für die wichtigen Seltenerden bereit stellen, die für die Produktion für viele Hightechprodukte von Akkus über Elektromotoren bis hin zu Flachfernsehern wichtig sind. Denn China, der Quasi-Monopolist dieser seltenen Metalle, hatte nach Medienberichten den Export in einem Territorialkonflikt gestoppt.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Ceatec 2010: Der neue Trend - "Personal 3D"

Der neue Mega-Trend wird, was ich "Personal 3D" nenne. Deutlich sichtbar ist dies auf der japanischen Konsumelektronikmesse Ceatec wie in meinem Blog auf Technology Review heute genauer nachzulesen ist.
Trendsetter ist Sharp mit seinem brillenlosen 3D-Display für Handys, das auch in der Nintendos neue portablen Videokonsole Nintendo 3DS eingesetzt werden wird. Aber es geht auch größer: hier ein Webbook-Screen.
Und hier Sharps Handy in 3D-Action. Die Ergebnisse lassen sich auf allen 3D-Geräten wiedergeben, egal welchen Standard sie verwenden. Alles eine Sache der Aufbereitung.
Toshiba hat auf der Ceatec mit einem brillenlosen 3D-TV aufgetrumpft, den ich im Blog allerdings verreiße. Auf dem Notebook finde ich das System hingegen gut.
Cool ist das Info-Display von Hitachi, dass sich mit einfachen Handgesten steuern lässt. Ansonsten gibt es auch bei Hitachi jede Menge 3D, genauso wie bei 3D-Pionier Panasonic. Doch Panasonic hat nicht wirklich etwas, was die Japaner nicht schon auf der IFA in Berlin (3D-Camcorder) oder der Photokina in Köln (3D-Photoapparat und -objektiv) gezeigt hätten.  
Mein Hit aber sind Head-Mounted Displays. NTT Docomo, Japans größter Mobilnetzbetreiber, stellte einige verdammt coole Modelle vor, die wohl teilweise mit Olympus zusammen entwickelt wurden. 
NTT Docomo hat auch bereits einen Dienst entwickelt: Stadtführung durch die alte Kaiserstadt Kyoto. Angeschlossen ans GPS-Handy lenkt das Display den Touristen auf Attraktionen am Wegesrand hin und spiegelt entweder Erklärungen oder auch bei Restaurants Telefonnummern und Spezialitäten ein. 
Die Modelle sehen wirklich verdammt cool aus, finde ich, so etwa diese Sportbrille.
Aber ehrlich gesagt würde ich mir so etwas wohl nicht aufsetzen. Denn durch solche Displays wird mir die Informationsflut zu sehr gesteigert. Und ich versuche derzeit alles, um sie zu senken.
Aber in dieser Größe hat es seinen Reiz, das dort oben ist doch eine nette "Lesebrille".
Mit dabei auf der Ceatec ist auch der Autobauer Nissan, der für seine Elektroautos wirbt.
Auch nett: Fujitsu Geh- und Lauftrainer. Das Handy bewertet den Geh- oder Laufstil auf einer 100-Punkteskala, zeigt die Problemzonen und gibt Verbesserungstipps.
Und natürlich gab es noch viel mehr, aber dies muss erstmal reichen.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Weltstahlkonferenz: Asien wird Stahlküche der Welt

Ein Jahr nach der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit steigt Nachfrage der Welt nach Stahl bereits auf neue Rekordhöhen. „Wir erleben eine schnellere Erholung, als wir inmitten der Krise und noch im April erwartet haben“, sagte gestern Paolo Rocca, scheidender Präsident des Weltstahlverbands, beim jährlichen Branchentreffen in Tokio. Hauptprofiteure des Booms seien dabei die Länder Asiens. Er eine „wichtige Verschiebung der Industrie nach Osten.“  Der Anteil des Kontinents an der Weltstahlnachfrage werde von 20 Prozent im Jahr 1980 auf 65 Prozent in diesem Jahr steigen.

Der jähe Einbruch der Konjunktur in den Industrieländern hat besonders die Stahlindustrie in den traditionellen Stahlländern Japan, USA und Deutschland schwer getroffen. Die Auslastung der Hütten sank daher auf Werte um 40 Prozent. Hingegen wuchsen die Volkswirtschaften in vielen Schwellenländern auch während der Krise dank Infrastrukturprogrammen, die Stahlnachfrage weiter ankurbelten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nach der neuesten Prognose des Weltstahlverbands wird die globale Nachfrage 2010 um 13,1 Prozent auf das neue Rekordniveau von 1,27 Milliarden Tonnen steigen. Zuletzt hatte der Verband nur mit einem Plus von 8,4 Prozent gerechnet. Für 2011 sagen die Stahlexperten langsameres Wachstum von 5,3 Prozent auf 1,34 Milliarden Tonnen voraus.

Besonders rasant entwickelt sich zurzeit Indien, das bereits im kommenden Jahr nach China und den USA zum drittgrößten Stahlmarkt der Welt aufsteigen könnte. Im südasiatischen Subkontinent wird die Nachfrage nach Ansicht des Weltstahlverbands im Jahr 2011 auf 68 Millionen Tonnen klettern, 32 Prozent mehr als noch 2007.
Zwar erholt sich auch Europas Stahlindustrie schneller als gedacht. Doch die Nachfrage in der EU wird 2010 voraussichtlich noch immer um 25 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegen. 

Diese Lücke wird sich nicht rasch schließen lassen: „Wir sind immer noch vorsichtig“, sagt Daniel Novegil, Vorsitzender des Wirtschaftskomitees des Weltstahlverbands. Die Erholung sei bisher hauptsächlich durch die Aufstockung der leeren Lager und die Konjunkturprogramme getrieben, die jetzt aber auslaufen. Salzgitter-Chef Wolfgang Leese glaubt ebenfalls nicht an eine Rückkehr zu den goldenen Jahren vor der Krise, als die Industrie nicht nur viel verkaufte, sondern auch hohe Gewinne einfuhr.

Auch in China stehen die Zeichen auf Abkühlung: Der Weltstahlverband erwartet für 2011 nur noch ein Plus von 3,5 Prozent. Eine Ursache sei, dass Chinas Stahlindustrie in der ersten Jahreshälte auf Lager produziert hat, sagte Roger Manser vom Branchendienst Steel Business Briefing. „Die Lager durch die gesamte Lieferkette sind proppenvoll.“

Zudem will die Regierung Überkapazitäten abbauen und die fragmentierte Stahlindustrie konzentrieren. Bisherige Versuche der Zentralregierung in diese Richtung sind zwar am Widerstand der mächtigen Regionen gescheitert. Doch Deng Qilin, Chef des chinesischen Stahlkonzerns Wuhan Iron & Steel, glaubt, dass es diesmal anders ist. Chinas Stahlproduktion sei in den letzten Jahren von 100 Millionen auf fast 600 Millionen Tonnen gestiegen. „Wir erreichen eine Decke“, meint er. Seiner Meinung solle das Land den Fokus auf Restrukturierung legen, um das Niveau der Stahlindustrie zu erhöhen. Die Produktion werde sich stabilisieren, so Deng. „Nach fünf bis zehn Jahren Anpassung wird die Produkt sinken.“

Weltstahlkonferenz: Hersteller im Klammergriff der Erzlieferanten

Weltweit suchen Stahlhersteller nach Lösungen im Umgang mit den neuen Erzverträgen. „Ich frage alle: Was können wir tun?“, sagte gestern etwa Lakshmi Mittal, Chef des größten Stahlkonzerns ArcelorMittal. Eine Antwort gebe es noch nicht, sondern wohl erst im nächsten Jahr, erwartet er: „Das System wurde ja gerade erst verkündet, und auch die Eisenerzanbieter lernen noch dazu.“

Die Verkürzung der Laufzeiten von Eisenerzverträgen von einem Jahr auf drei Monate stellt die Stahlbranche vor große Probleme. Denn ein Großteil der Kunden ist seinerseits nicht dazu bereit, die Laufzeiten zu verkürzen. So bleiben die Stahlhersteller künftig auf den höheren Rohstoffkosten sitzen, wenn diese von Quartal zu Quartal steigen.

„Bei einem Bauprojekt, das über mehrere Jahre geht, muss man einschätzen können, wie teuer das Rohmaterial ist“, argumentierte Ian Christmas, Generaldirektor des Weltstahlverbands. Auch die Autoindustrie plant ihre Produktion in langen Zyklen und steht daher kurzfristigen – vielleicht sogar durch Spekulation verstärkten – Preissprüngen extrem ablehnend gegenüber.

Die Stahlindustrie würde daher liebend gern zum alten System der Jahresverträge zurückkehren und versucht die Minenbetreiber zurzeit davon zu überzeugen, dass Volatilität allen schadet. Rohstoffkonzerne wie BHP Billiton liebäugeln hingegen sogar mit einer weiteren Verkürzung der Laufzeit auf einen Monat.

Das Ergebnis des Fingerhakelns zwischen Stahl- und Minenkonzernen sei noch nicht abzusehen, sagen Stahlmanager. Ein wichtiges Indiz wird aber sein, wie Mittal sich verhält. „Wir werden machen, was der Marktführer macht“, sagte etwa der Chef des zweitgrößten deutschen Stahlkonzerns Salzgitter, Wolfgang Leese. Faktisch jedoch kontrollieren die drei größten Minenkonzerne 70 Prozent des globalen Erzhandels.

Eine große Sorge der Stahlkonzerne ist, dass die Banken mit Finanzinstrumenten in den Markt springen, sagte Stahllobbyist Christmas. Auf der einen Seite könne man zwar argumentieren, dass damit das Risiko abgesichert werde. „Aber die Industrie befürchtet, dass die Börsen als Spielkasinos und nicht zum Hedgen von Risiken genutzt werden“, so Christmas.

Alternativen wie der Einstieg in Minenprojekte stehen nicht jedem Unternehmen offen. Salzgitter hat die Idee beispielsweise eingemottet: „Wir haben nicht die Finanzkraft, so etwas zu machen“, so Leese.
Gleichzeitig stoßen die Stahlhersteller an Grenzen, die höheren Rohstoffkosten durchzureichen. „Die Preiserhöhungen konnten wir nicht komplett weitergeben“, sagte der Stahlvorstand bei Salzgitter, Johannes Nonn. Ähnliche Erfahrungen machten auch die Stahlkonzerne in Japan. 

Zwar rechnen Analysten damit, dass die Rohstoffpreise in der zweiten Jahreshälfte nachgeben und die Hersteller davon profitieren könnten. Salzgitter-Chef Leese hält das zwar für zu optimistisch. Dennoch werde sein Unternehmen „dieses Jahr mit einem blauen Auge davonkommen“: Er erwarte weiterhin ein ausgeglichenes Ergebnis.

Ein weiteres Rohstoffproblem droht von anderer Seite: Die Stahlhersteller kämpfen mit einer Verschlechterung der Koksqualität. „Die fette Kokskohle ist recht knapp, und nach Vorhersagen wird die Lage angespannt bleiben“, sagte Nonn.

Weltstahlkonferenz: Weltstahlverband baut erstmals Chinesen zum Chef auf

Zeitenwende im Weltstahlverband: Erstmals wird 2011 ein Chinese zum Präsidenten der traditionsbewussten Organisation aufsteigen. Xiaogang Zhang, Chef von Anshan Iron and Steel, wurde gestern auf der Weltstahlkonferenz in Tokio zunächst zum Vizevorsitzenden gewählt. 2011 soll er dann die Nachfolge des neuen Vorsitzenden Hajime Bada antreten, Chef des japanischen Stahlkonzerns JFE.

Die World Steel Association trägt damit der Machtverschiebung in der Weltstahlindustrie Rechnung. Obwohl China fast die Hälfte der weltweiten Stahlnachfrage und -produktion repräsentiert, stand die Stahlindustrie bislang im Abseits: Bis Ende 2010 werden erst sieben der größten chinesischen Hersteller in dem Verband als Einzelmitglieder vertreten sein. Das entspricht nur etwa 25 Prozent der heimischen Stahlindustrie.

Doch die alteingesessenen Stahlbarone aus Europa, Japan und den USA können die Chinesen in ihren Reihen nicht länger übergehen. Schon auf der Weltstahlkonferenz im vergangenen Jahr in Chinas Hauptstadt Peking seien die Chinesen, „ich sage es mal höflich, sehr selbstbewusst aufgetreten“, sagt ein deutscher Stahlmanager. „Zhang hat offenbar besondere Ambitionen“, meint ein anderer Industrieinsider.

Der 1954 geborene Chinese ist General Manager der Angang-Gruppe und Präsident von Anshan Steel, einem der größten chinesischen Stahlkonzerne. Er gilt als Metallurgie-Experte und hat hohe staatliche Auszeichnungen erhalten, ist aber als Ex-Chef des chinesischen Stahlverbands mit Lobbying bestens vertraut.

Brancheninsider halten ihn daher auch eher für einen Politiker als einen Manager. Tatsächlich ist Zhang sowohl alternierendes Mitglied im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas als auch Vertreter im elften nationalen Volkskongress.

Aus der FTD, 5.10.2010

Dienstag, 5. Oktober 2010

Ceatec 2010: 3D überall

Ich bin gerade von der Ceatec, der größten Konsumelektronikmesse Asiens. Der Trend ist eindeutig: 3D überall - nach Fernsehern kommen jetzt Handys und Computer dran. In den kommenden Tagen werde ich noch etwas ausführlicher werden und auch Bilder online stellen. 
Nur soviel vorweg:
Sharp beispielsweise hat ein 3D-Handy vorgestellt, dass auch 3D-Bilder schießen kann. Andere Hersteller warten mit anderen netten Ideen auf.
Aber es gab auch noch ein paar ganz nette überraschende Gimmicks. Meine persönlichen Favoriten sind
a) ein Head-mounted Display, das den Weg und Umgebungsinfos auf die Netzhaut projizieren kann (NTT Docomo und Olympus)
b) ein Geh- und Lauftrainer in Handys, der den Geh- oder Laufstil auf einer 100 Prozent-Skala bewertet, die Schwachzonen herausstellt und Tipps zur Verbesserung des Laufstils gibt (Fujitsu).

Geldpolitik: Notenbank senkt Zins auf null Prozent

Japans Notenbank hat den Zins wieder auf 0 Prozent gesenkt (war bisher auch schon fast null) und einen über den Daumen gepeilt 50 Mrd. Euro schweren Fonds zum Kauf von Wertpapieren aufgelegt, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Die Maßnahme soll dazu dienen, die Wirtschaft anzukurbeln, der es schlechter ginge als ursprünglich erwartet worden war, sagte Notenbank-Chef Masaaki Shirakawa. 
* Der Aktienkurs sprang nach dem Schritt deutlich in die Höhe. Denn die Notenbank tut damit mehr als die Märkte erwartet haben. Es wird zwar allein noch nicht ausreichen, um Japans aus der Deflation schnell zu befreien. Aber Analysten bezeichnen die endgültige Rückkehr zur Nullzinspolitik und vor allem das Kaufprogramm als erfreuliche Überraschung. 

Sonntag, 3. Oktober 2010

Politik: Japan suchte deutsche Schützenhilfe für atomare Aufrüstung

Japan hat ein Jahr vor dem in Kraft treten des Atomwaffensperrvertrags im Jahre 1970 Deutschlands Bereitschaft ausgelotet, die ostasiatische Nation im Falle einer atomaren Aufrüstung zu unterstützen. Dies hat der japanische TV-Sender NHK am Sonntag abend in seiner Hauptnachrichtensendung unter Berufung auf Akten des deutschen Außenministerium gemeldet. Die deutschen Diplomaten hätten eine Hilfe abgelehnt, so NHK. 
Dem Bericht zufolge hatte Japans Außenministerium deutsche Diplomaten im Februar 1969 in den Ferienort Hakone eingeladen. Denn fünf Jahre nach Chinas Atomwaffentest befürchtete die Regierung, dass eine atomare Bewaffnung anderer Staaten wie Indien Japans Sicherheit gefährden könnte. 
Ryohei Murata, einer der japanischen Teilnehmer an der Sitzung, erklärte gegenüber dem TV-Sender, dass er geglaubt habe, dass es auch für Japan Raum für eine atomare Aufrüstung hätte geben sollen. Aber bei den damaligen Verhandlungen über den Atomwaffensperrvertrag konnte Japan seines Erachtens nicht auf Gehör rechnen. Dort hätten die Großmächte alles hinter geschlossenen Türen entschieden, so Murata. Daher habe man sich an Deutschland gewendet. Allerdings blockten die Gäste den Unterlagen zufolge eine Hilfe als sehr unwahrscheinlich ab. NHK berichtete nicht, ob danach die Unterredungen noch in eine weitere Runde gegangen seien.  
Die Meldung weckt weitere Zweifel an der Bekenntnis früherer japanischer Regierungen zu einer Welt ohne Atomwaffen. Denn die Intention widerspricht den 1967 vom damaligen Ministerpräsidenten Eisaku Sato verkündeten drei nicht-nuklearen Prinzipien, in denen er vor allem seinem Volk, aber auch der Welt versprach, dass das Land weder Atomwaffen produzieren, besitzen, noch ins Land lassen werde. Zwar goss das Parlament die Prinzipien nicht in Gesetzesform, sondern verabschiedete sie 1971 nur als Resolution. Aber in der Öffentlichkeit galten sie seither als Grundlage der japanischen Außenpolitik. 
Entgegen der offiziellen Politik erlaubten frühere Regierungen dem Bündnispartner USA allerdings in geheimen Vereinbarungen, Nuklearwaffen auf Kriegsschiffen ins Land zu bringen. Dies ist zwar schon lange kein Geheimnis mehr, aber erst, nachdem die demokratische Partei im Sommer 2009 die Regierung übernommen hatte, traute sich Japan die langjährige Lebenslüge der japanischen Friedenspolitik zu zugeben. Heute ist Japan mit Deutschland eine der treibenden Kräfte in der Staatengemeinschaft für eine atomare Abrüstung.  

Montag, 21. Juni 2010

Notebook zweimal neuerfunden

Nach längerer arbeitsinduzierter Blog-Abstinenz hier ein neuer Eintrag über ein paar interessante Computer-Ideen von Toshiba:
1. Ein Notebook ohne Tastatur, dafür mit zwei Touch-screens
2. Ein Cloudbook, das auf Googles Handy-OS Android 2.1 läuft.


1. Das Buch-Book: Libretto W100
Der Ersatz der Tastatur durch einen berührungsempfindlichen Bildschirm ist eine interessante Idee, denn so kann das Notebook gehalten und gelesen werden wie ein klassisches Buch:
Und durch das Einblenden einer Tastatur auf dem 7-Zoll-Display können die Anwender sogar Text eingeben, mit den Daumen beispielsweise wie hier zu sehen ist:
Gute Idee, aber fraglich, ob sie in dieser Form wirklich marktreif ist, Das Gewicht des Basismodells ist mit 699 Gramm (Herstellerangabe) zwar gering, aber die Batterielaufzeit mit nur zwei Stunden für mobile Anwendung auch. 
Mit einem stärkeren Akku soll die Batterielaufzeit zwar auf vier Stunden steigen, aber auch die Last erhöht sich auf dann schon weniger tragfähige 819 Gramm. Wer mit der schweren Version im Daumenmodus tippen will, dem sage ich Sehnenscheidenentzündung voraus.


2. Das Cloudbook: Dynabook AZ
Das Dynabook AZ soll auf Googles Handy-Betriebssystem Android 2.1 laufen. Es hat nur einen internen Flash-Speicher von 16 GB, aber die Daten soll der Kunde ja auch in der Wolke ablegen.
Mit 10,1 Zoll Bilddiagonale ist das Display größer. Ich habe allerdings bislang noch keine Angabe zu Gewicht und Batterielaufzeit gefunden. Preis soll aber knapp unter 400 Euro liegen.
Fotos: Toshiba

Freitag, 4. Juni 2010

G20-Finanzminister-Treffen in Pusan: Aus Sand gebaut

Am Freitag und Sonnabend findet in Pusan (südliches Südkorea) ein Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer statt. Europas Schuldenkrise wird ein wichtiger Tagesordnungspunkt sein. 
Die große Frage: Ist die globale Erholung auf Sand gebaut?
Ein Blick an den Strand von Haeundae, der Copacabana Südkoreas, an der das Treffen stattfindet, scheint genau dies nahe zu legen. 
Aber wir sollten nicht zu kritisch sein. Ein Sandschloss ist immer noch haltbarer als ein Luftschloss.
Und hier ein holländischer Künster, Jeroen Advocaat, einem globalen Sandburgbauer. Er wohnt in China, ...
... was man an der Wahl dieses Motives erkennen kann: Der Kaiserpalast in China, inklusive Mao-Portrait.
Aber vielleicht steht ja dieser rasante Drache für unsere Weltwirtschaft.



Montag, 31. Mai 2010

Sumo zwischen Lachen und Weinen

Japans Sumo-Welt hatte nur am Sonnabend etwas zu lachen. Wie das Video "Commedy Sumo" hier von einer der besten Kennerinnen der Sumo-Ligen, die ich kenne, zeigt, haben Sumo-Ringer durchaus eine komödiantische Seite.
Das Video zeigt eine Slap-Stick-Einlage auf der Haarschneidezeremonie, der Abschiedszeremonie, des Sumo-Ringers Dejima.


Ansonsten nur bitterböse Nachrichten aus der Sumo-Welt.
Nachdem Yokozuna Asashoryu erst kürzlich rausgeworfen wurde, weil er einen Mann verprügelt haben soll, versinkt der bekannte Ringer Kotomitsuki in einem illegalen Wettskandal (Baseball). 


Aber das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem Chef des Ringerstalls Kise, der für mehrere Jahre Yakuza-Gangstern einige der besten Plätze zugeschanzt haben soll. 
Kise wurde um zwei Ränge abgestuft und verlor damit seinen Ringstall. Sein Kollege Kiyomigata, der ihm geholfen haben soll, wurde verwarnt. Kises 27 Ringer werden von Kitanoumi aufgenommen.
Das Interessante: Nach Informationen der Polizei wollten die Yakuza, die dem mächtigsten Verbrechenskonzern, der Yamaguchi-gumi angehören, sich damit ihren inhaftierten Bossen zeigen.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Tech-Blog: Reis essen gegen den Niesreiz

Auf Technology Review dreht es sich heute ums Schlemmen gegen Heuschnupfen und andere Krankheiten.
Hier geht`s zum Artikel...

Mittwoch, 26. Mai 2010

Sanyos Solarzellen für die Deutsche Bank

Deutsche-Bank-Konsortium vergibt Solarzellenauftrag an Sanyo


Ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank wird die Solarzellen für das größte Solarkraftwerks der Welt nach Japan vergeben. Lieferant der Solarzellen für das 7,6 MW-Werk im süditalienischen Puglia wird Sanyo, die Tochtergesellschaft des japanischen Elektronikgiganten Panasonic. Das Werk, das die Deutsche Bank durch ihre Tochter Deutsche Erneuerbare Energien GmbH arrangiert, soll ab Ende des Jahres genug Strom für 3000 Haushalte herstellen.
Das Projekt unterstreicht den Vorstoß der japanischen Solarzellenhersteller in die Stromerzeugung. Vor Sanyo hatte bereits Japans Nummer 1 Sharp bekannt gegeben, durch ein Joint Venture mit Europas zweitgrößten Stromerzeuger Enel Sonnenkraftwerke zu errichten. Die Japaner wollen sich durch den Einstieg in das Großkundengeschäft im umkämpften Solarzellenmarkt höhere Gewinnmargen sichern. Denn im Massenmarkt tobt durch den Vorstoß chinesischer Hersteller wie Suntech Power selbst in ihrem Heimatmarkt ein harter Preiskampf. 
Sanyo entwickelt sich dabei in dem Markt zu einem der aggressivsten Anbieter. Denn Panasonic strebt durch die Übernahme des Elektronikherstellers an, durch Sanyos Kauf bis 2015 vom elftgrößten zu einem der drei größten Solarzellenhersteller der Welt zu werden. Derzeit verfügt Sanyo über eine Produktionskapazität von 340 MW, die bis März 2011 auf 565 MW ausgebaut werden soll. Bislang plant Sanyo, bis 2015 seine Produktionskapazität von Solarmodulen auf 1,5 GW steigern. Kommenden Montag will Panasonic seinen Wachstumsplan für das Solarzellengeschäft detaillieren.
Panasonics Plan gilt allerdings als sehr ambitioniert. Denn der Konzern setzt auf Sanyos hocheffiziente „HIT“-Zellen und nicht wie viele Konkurrenten auf Dünnschichtsolarzellen, die zwar eine geringe Energieausbeute als herkömmliche Solarzellen haben, aber wegen dem geringen Verbrauch von Silizium auch deutlich preiswerter sind. Dünnschichtzellen gelten daher als besonders geeignet für große Anlagen und als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Solarzellenindustrie.

Bildschirm in der Füllerkappe - Sony stellt aufrollbares Oled-Display vor

Sony hat heute ein aufrollbares Oled-Display vorgestellt. Es kann sogar noch Filme wiedergeben, während es um einen Stift gewickelt wird.

Ermöglicht wird der Trick durch eine Technik, die Sony "organic thin-film transistor driven full color Oled-display" nennt. Das 4,1-Zolldisplay ist 80 Mikrometer dick und hat eine Auflösung von 121 ppi. 
Selbst nach 1000 mal Ein- und Aufrollen gab es "keine klare Verschlechterung" des Displays, behauptet Sony.
Zu wünschen wäre es, denn damit würde der Traum von ausrollbaren Mini-Displays für Fernseher, Lesegeräte oder Handys im Stiftformat wahr.
Die Presseerklärung findet sich hier ... .

Freitag, 21. Mai 2010

Tech-Blog: Das Roboter-Manifest

Auf Technology Review blicke ich am heutigen Freitag einmal in die Zukunft der Robotik. 
Den letzten Anstoß dazu, wenigstens einmal im Leben Orakel zu spielen, gab mir kürzlich das folgende knuffige Wesen: Der RoboTeddy von Fujitsu.
Das erste Mal traf ich ihn schon vor über einem Monat. Doch zum Glück habe ich damals nicht über die Begnung geschrieben, ansonsten hätte ich kaum über die bahnbrechende Weiterentwicklung des mit Hightech vollgestopften Plüschtieres berichten können, die im folgenden Video zu bewundern ist: Zwei Teddys turnen synchron Bewegungsübungen für Senioren vor.

Und gleich noch einmal klicken, zum Mitturnen.
Mal ehrlich, sind die Bären nicht süß?

Mittwoch, 19. Mai 2010

Fotostory: Das Gundam-Handy


Der Hype um die 31 Jahre alte Zeichentrickserie Gundam, in der Kinder in riesigen Roboteranzügen die Welt im All gegen Bösewichte verteidigen, wird heute in die nächste Umlaufbahn geschossen. Der Mobilnetzbetreiber Softbank nimmt ab heute Bestellungen für ein Gundam-Handy an. Ab Dezember soll es auf den Markt kommen. 
"Mobile Suite Gundam" ist nicht irgendein Robotanzug. Für die junge Generation der japanischen Roboteringenieure war Gundam das, was Astroboy für die Pioniere der japanischen Robotik war: er inspirierte sie, durch die Entwicklung von Maschinenwesen die Welt für die Menschen zu verbessern. 
Eine sehr sympathische Idee, die unter anderem dazu führt, dass Japans Ingenieure ihre kreativen Energien auf freundliche Menschenhelfer und nicht auf Kampfroboter richten. Oder wollen Sie in einem Terminator-Café einkehren? Da ist das Gundam-Café in Akihabara sehr viel freundlicher.
Unvergessen natürlich die lebensgroße Gundam-Statue in Odaiba, mit der voriges Jahr Gundams 30. Geburtstag begangen wurde. 

Dienstag, 18. Mai 2010

Fotostory: Die drei von der Wasserstofftankstelle

Meine jüngste Exkursion nach Daiba führte mich an diesem technischen Highlight vorbei: der Wasserstoff- und Stromtankstelle in Ariake - errichtet mit deutscher Beteiligung.
Es handelt sich um eines von 15 Pilotprojekten, und es ist laut dem Japan Hydrogen and Fuel Cell Demonstration Project die einzige H2-Tankstelle Japans, die sowohl gasförmigen als auch flüssigen Wasserstoff mit Hochdruck in die Tanks pressen kann. 
Verantwortlich für die Zapfsäule zeichnen Shells japanische Tochter Showa Shell, die ein paar hundert Meter entfernt ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat, und Japans führender Wasserstoffproduzent Iwatani (Marktanteil in Japan von rund 40 Prozent). Hinter der Fassade verbirgt sich allerdings Technik aus Deutschland und zwar die des Gasherstellers Linde. 
Auch an eine Schnellladestation für eAutos haben die Initiatoren gedacht.