Donnerstag, 10. Dezember 2009

TR-Blog: Fahrradparadies Tokio

Wie ich in meinem donnerstäglichen Technik-Blog auf Technology Review schreibe, ist für mich Tokio ein Fahrradparadies. Fast täglich radle ich durch die Stadt. Ich bin oft schneller als mit Bahn und Auto, wenn man die Wegzeiten von Tür zu Tür berechnet.



Bisher hat mich mein Drahtesel nicht im Stich gelassen. Nicht einmal einen Platten gab es. Denn Tokios Staßen sind sauber, glatt und gepflegt.

Ich muss gestehen, dass ich lange gezögert habe, auf das Rad umzusteigen. Denn in Tokio gibt es in der Regel keine gesonderten Radwege.



Fahrradfahrer teilen sich entweder den Fußweg mit Passanten oder müssen auf die Straße ausweichen. Doch auf dem Fußweg zu fahren, war mir zu langsam. Außerdem ist es nicht ungefährlich.



Fußgänger und Radfahrer (in beide Richtungen) müssen sich zum Beispiel diese Brückenrampe teilen. Da gibt es nur eine kleine Toleranz für Fehler.



Auch vor dem Imperial Hotel in der Nähe des Kaiserpalasts kann es manchmal eng werden. Als Alternative bleibt also nur die Straße. Aber ist das nicht zu gefährlich? Meiner Meinung nach nicht. Denn ich habe viel Platz:



Die meisten Straßen haben wegen einer schönen Sitte eine de facto Fahrradweg, auf dem ich kaum mit Autos in Kontakt komme. Der linke Fahrstreifen wird in der Regel von Taxis und Lieferwagen zum Kurzzeitparken genutzt und daher vom fließenden Verkehr gemieden.
Hier können Fahrradfahrer ordentlich in die Pedale treten, ohne andauernd Autos all zu nahe zu kommen.
Zum Glück haben das die meisten Menschen noch nicht gemerkt. Es gibt daher wenige Radler im mittleren Nahverkehr. Die Stadt ist vielmehr auf den öffentlichen Personennahverkehr ausgerichtet. Die S- und U-Bahnen fahren im Abstand von zweieinhalb bis sechs Minuten. Auto fahren ist weniger in Mode.
Dadurch gibt es allerdings für Fahrradfahrer in der Innnenstadt ein Problem.



Es gibt keine Fahrradparkplätze. Die Radler werden daher gezwungen, wild zu parken, wie hier vor dem Peninsula Hotel, einer der nobelsten Herbergen der Stadt.

Kommentare:

  1. Gibts Fahrraddiebe? Wie schützt man sich?

    Gruß Herbert

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  2. Es gibt Fahrraddiebe. Aber nicht wirklich richtig viele. Die meisten Menschen hier sichern daher ihre Fahrräder mit Schlößern, die in Deutschland als Witz gelten würden.
    Normalerweise läßt man nur das Speichenschloss einrasten. Und wer sich dennoch ein Kabelschloss kauft, kauft sich meistens ein dünnes, dass sich leicht durchknipsen läßt. Dennoch hat kaum jemand hat Angst, selbst teure Fahrräder am Bahnhof stehen zu lassen. Das spricht Bände.

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  3. Erstaunlich - woran liegt das?
    Sind die kulturellen Vorbehalte gegen Diebstahl stärker als in Europa?
    Sind die Japaner alle so reich, dass sie nicht stehlen müssen?
    Werden Diebe dort intensiver verfolgt/ härter bestraft?

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  4. 1. ist die Kriminalität sehr niedrig.
    2. wird beim Fahrradkauf vom Händler die Adresse aufgenommen, eine Plakete auf den Rahmen geklebt und die dazu gehörige Nummer - ich nehme mal an - bei der Polizei registriert.
    3. hält die Polizei abends hin und wieder Radfahrer an, um zu überprüfen, ob der Fahrer auch der Besitzer des Fahrrads ist.

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