Dienstag, 20. Oktober 2009

Kaiserin Michiko feiert ihren 75. Geburtstag

Heute feiert Kaiserin Michiko ihren 75. Geburtstag wie hier in meinem Artikel "Generationenkonflikt im Kaiserhaus" für die Südwestpresse nachzulesen ist. 


Für die Kaiserin ist es kein ungetrübtes Jubiläum, denn in der Familie gibt es Konflikte zwischen dem Kronprinzenpaar und den restlichen Familienmitgliedern.
Es wird sich daher heute unter die Glückwünsche Mitleid mischen. Denn nur zu erinnern sich die Japaner, dass die erste Bürgerliche auf dem Thron der ältesten Monarche der Welt schwer gelitten hat.
Sie habe eine schwere Verantwortung empfunden, "keine Schande für die kaiserliche Familie zu sein", hatte die Kaiserin vor fünf Jahren gesagt. Im April zum 50. Hochzeitstag dankte ihr sogar der Kaiser: "Ich bin so dankbar, dass sie das alles ausgehalten hat."
Ihr Leben war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ihr Aufstieg auf den Chrysanthementhron begann wie im Märchen. 1959 heiratete der damaliger Kronprinz seine Liebe, die er zwei Jahre zuvor auf dem Tennisplatz kennen gelernt hatte. Der Jubel war groß, denn Michiko war eine außergewöhnlich moderne Frau. 
Sie hatte einen Universitätsabschluss in japanischer Literatur erworben und an der amerikanischen Havard und der britischen Oxford Universität studiert. Als sie entgegen der Tradition begann, selbst zu kochen und ihre Kinder zu erziehen, stieg das Paar in der jungen Generation zum Ideal der Kleinfamilie auf. 
Doch von der Schwiegermutter, Hofbeamten und nationalistischen Kreisen wurde hart kritisiert: Der angehende Kaiser habe sich, unterstützt von seiner Frau, auf seine Rolle als oberster Priester der Naturreligion Shinto und Symbol des Landes vorzubereiten, anstatt moderne Flausen zu pflegen. "Die Kritik der Nationalisten an der Fortschrittlichkeit der Kaiserfamilie geht inzwischen soweit, dass sie einen Nationalismus ohne Kaiser andenken", sagt der israelische Kaiserhausexperte Ben-Ami Shillony. 
Mehrfach brachten die Attacken Michiko an den Rand des Zusammenbruchs. 1993, drei Jahre nach der Thronbesteigung ihres Mannes, verstummte sie aus Protest für Monate. 
Ungeachtet des Drucks wich sie nie von ihrer Linie ab, ihre Kinder so normal wie möglich aufwachsen zu lassen.  
Die Modernität des Elternhauses hat auch auf den Nachwuchs abgefärbt. Alle drei Kinder heirateten Bürgerliche. Doch wie schon bei ihrer eigenen Hochzeit verkehrte sich der größte Freudentag der Kaiserin in eine Quelle von neuem Leid.  
1993 heiratete endlich ihr ältester Sohn Naruhito die Diplomatin Masako Owada. Das Volk jubelte wieder. Nur zeugte das Kronprinzenpaar keinen Nachwuchs. Das Kaiserpaar und der Hof wiederum drängten mit der Zeit immer stärker auf männlichen Nachwuchs und verboten Masako Reisen ins Ausland. 
Sie sollte sich auf die Sicherung der Erblinie konzentrieren, andernfalls drohte dem Kaiserhaus nach mehr als 2000 Jahren das Ende. Denn gesetzlich dürfen nur männliche Erben den Thron besteigen. Akishino und seine Frau hatten bis dahin nur zwei Töchter.  
Nach der Geburt von Prinzessin Aiko im Jahr 2001 eskalierte die Krise im Kaiserhaus gar zum offenen Generationenkonflikt. Masako erkrankte seelisch schwer. Kronprinz Naruhito machte 2004 das Hofamt und indirekt seine Eltern für die Krankheit verantwortlich. Seither verkehren Kaiser- und Kronprinzenpaar kaum noch miteinander.  
Trost spenden der Kaiserin seither ihr Zweitgeborener, Prinz Akishino und dessen Frau Kiko. Sie brachte 2006 einen Sohn zur Welt und rettete damit den Fortbestand der Erblinie. 

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