Donnerstag, 15. April 2010

Fujitsu - Investmenfonds Sandringham startet Verleumdungsklage


Der Investmentfonds Sandringham hat eine Verleumdungsklage gegen Fujitsu-Vorstände eingereicht. Der Fonds sieht sich im Machtkampf zwischen Fujitsu und dem aus dem Amt gedrängten ehemaligen Konzernchef Nozoe vom Elektronikkonzern zu unrecht in die Nähe der japanischen Yakuza gerückt. 
Fujitsu hatte Nozoe im September 2009 unter dem Vorwurf aus dem Amt gedrängt, dass er Kontakt zu einer namentlich nicht genannten Firma mit Verbindungen zu "antigesellschaftlichen Kräften" unterhalte. Dies ist ein Euphemismus für Yakuza. Nozoe hatte darauf zuerst "aus gesundheitlichen Gründen" sein Amt quittiert, aber im März den Rücktritt vom Rücktritt erklärt, um seinen Namen reinzuwaschen. 

Dienstag, 13. April 2010

In der NZZ: Thunfisch-Auktion ohne Touristen

Dies sind die kleinen Brot-und-Butter-Geschichten, Entschuldigung, Sushi-und-Sashimi-Geschichten, die hin und wieder den Arbeitsalltag eines Korrespondenten auflockern.
Tsukiji sperrt für einen Monat die Touristen von der beliebten Thunfisch-Auktion aus. Warum steht hier...

Falling Leaves - Fallende Blüten: Hanami im Kumano-Schrein

Schöner als der Beginn der japanischen Kirschblüte mit ihren schwebenden Blütenwolken ist fast noch ihr Ende.
Heute bin ich durch Zufall durch den Kumano-Schrein in Shinjuku gelaufen. Er hat nicht viele Kirschbäume, ...
... aber die Stimmung nach dem gestrigen Regentag war trotzdem sehr schön.
Die kleinen Tempelszenen geben vielleicht einen Hinweis darauf, warum die Kirschblüte in Japan so beliebt ist. 
Im allgemeinen Verständnis stehen sie für die Vergänglichkeit, die Schönheit einer jungen Frau, das Leben des Kriegers.
Nach kurzer, prachtvoller Schau fallen die Blüten zu Boden, ... 
... in Massen vergehen sie, ...
... und erinnern uns an unser eigenes Leben. Hanami drückt die Einheit von Yin und Yang vielleicht am besten aus:
Entstehen und Vergehen, Freude und Trauer, Tod und neues Leben, denn mit dem Fallen der Blüten beginnt der Baum sein grünes Laub hervorzutreiben.
Leise treiben die Blüten den Fluss hinab, während die Fische sich in der Frühlingssonne tummeln.
Ein Abschied auf Raten. 
Ein letzter Blick in den Garten ... und nach kurzer Einkehr taucht die Seele wieder in die Hektik der Großstadt Tokio ein.

Montag, 12. April 2010

Links zu Artikeln

Hin und wieder schaffen es Print-Artikel auch in die Online-Ausgaben.


Ein Beispiel aus dem Bereich Technik über den Vorstoß der spiegellosen "Spiegelreflexkameras" in der Welt vom Sonnabend: Es geht über den Anfang vom Ende der Spiegelreflex-Ära.


Heute in der NZZ ist eine Konjunkturanalyse über Japans Erzrivalen Südkorea erschienen. Südkorea ist das Krisenwunderland. Die Wirtschaft wuchs selbst 2009, im Krisenjahr. Samsung und Hyundai machten Rekordgewinne, während die japanischen Rivalen Verluste verbuchen. Und für dieses Jahr hat die Bank von Korea gerade heute die Wachstumsprognose von 4,6 Prozent auf 5,2 Prozent erhöht. Warum steht hier im Artikel.

Samstag, 10. April 2010

Japanische Woche für Chinas Henker

Nach der Hinrichtung eines japanischen Drogenschmugglers in China am Dienstag haben am Freitag drei weitere Missetäter die tödliche Spritze erhalten. Die vier sind die ersten Japaner, die China seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen hingerichtet hat. 
Japans Regierung hat gegen die Hinrichtungen allerdings nur äußerst milde protestiert. Das ist auch kein Wunder, denn auch Japan "verhängt" die Todesstrafe - genauergesagt durch den Strang. Auch ein Chinese musste daran glauben. Keine gute Basis für diplomatischen Aufstand. 
Chinas Strafen sind hart: Schon ab 50 Gramm harter Drogen wird es für Schmuggler eng. Traurig auch, dass die Stadt Dalian, die ich wegen meines dortigen Auslandsstudiums meine vierte Heimat nenne, so negativ in die Schlagzeilen gekommen sind, denn mehrere der Schmuggler hat es dort erwischt. 

Freitag, 9. April 2010

Die Newsliste: Freitag, 9.4.2010

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einige News vom Tage:


Thun macht sich rar
Der Tsukiji-Fischmarkt schließt seine Attraktion, die Thunfisch-Auktion, für Touristen. Als Grund gab die Stadtregierung Tokios einen unbeherrschbaren Massenandrang an Schaulustigen an. 
* In dem Maße, in dem der Thunfisch in den Weltmeeren schwindet, ist offenbar in den vergangenen Wochen das Interesse an der Begutachtung (und Verspeisung) der raren Ware gestiegen. Statt 300 drängen sich nun 500 Besucher täglich vor der Auktionshalle und bilden lange Schlangen, die den dichten Lieferverkehr auf dem Fischmarkt behindern. Die Stadt wolle damit die Sicherheit der Besucher gewährleisten, weil durch die Enge die Möglichkeit von Unfällen ansteige, heißt es.

Geldpolitischer GipfelPremier und Notenbankchef beginnen regelmässige Treffen 
Japans Premierminister Yukio Hatoyama und Notenbankchef Masaaki Shirakawa haben sich heute zu einem Meinungsaustausch getroffen. Diese Treffen sollen künftig alle drei Monate stattfinden.
Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der die Regierung nach Meinung von Beobachtern den Druck auf die Notenbank erhöht, die Geldpolitik zur Deflationsbekämpfung weiter zu lockern. 
* Das Treffen erscheint daher wie ein Einschüchterungsversuch. Aber wenn man sich das veröffentlichte Ergebnis des Gesprächs anschaut, ist die Notenbank unbeeindruckt. Hatoyama und Shirakawa sollen sich auf den von der Notenbank seit langem propagierten Korridor einer akzeptablen Preissteigerung von 0 bis 2 Prozent geeinigt haben. Damit erzeugt die Regierung eher den Eindruck, von der Notenbank eingelullt worden zu sein. 

Donnerstag, 8. April 2010

Tech Blog: Ubiquitous 3D - Die 3D-Handys kommen

Auf Technology Review erscheint heute mein Blog über Sharps 3D-Display für brillenlose 3D-Bilder auf mobilen Geräten wie Nintendos kommender Neuauflage der Spielekkonsole DS. Das Display wurde am 2. April in Tokio präsentiert. 
Meines Erachtens ist es ein Meilenstein: Virtuelle 3D-Bilder werden den Alltag erobern.
Der Grund für meine Überzeugung: Sharp hat die Auflösung, die Helligkeit und den Kontrast des LCD-Bildschirms so weit erhöht, dass 3D-Bilder genießbar werden. Um ein Bild räumlich darzustellen, nutzt Sharp den alten Trick der Parallaxe, bei dem im Display getrennt durch eine Barriere je ein Bild für das rechte und eines für das linke Auge dargestellt wird, so dass bei einer Betrachtung aus dem richtigen Abstand und Winkel das Hirn ein plastisches Bild errechnet. Dummerweise halbiert sich die Auflösung des Displays, sobald der 3D-Effekt eingeschaltet wird. Mit der Verdopplung der Auflösung ist auch das 3D-Bild gut genug.
Hier der Vergleich - Vergangenheit gegen Zukunft 
LCD-Größe: 2,4 Zoll vs. 3,4 Zoll
Auflösung: QVGA 240x320 Pixel) vs. FWVGA (480x854 Pixel)
Helligkeit: 250 cd/qm vs. 500 cd/qm
Kontrast: 100:1 vs. 1000:1
Um den richtigen Blickwinkel zu finden und zu halten benötigt man zwar immer noch Feingefühl und eine ruhige Hand. Aber besonders beim gezeigten Trickfilm war das Ergebnis gut. Detailreiche Fotos hingegen sind eine Herausforderung.
Ob man 3D braucht oder nicht, ist irrelevant. Die Hersteller werden die Displays alsbald verbauen. Der Verbraucher hat in ein paar Jahren dann nur noch die Wahl, den 3D-Modus einzuschalten oder nicht zu nutzen.
Interessant die Idee, eine Kamera mitzuliefern. Verbunden mit einem Handy können wir Normalos dann mehr oder weniger schicke 3D-Bilder live ins Internet übertragen.

Hier der Link zur Idee des modularen Handy. Ein 3D-Kameramodul dürfte folgen.  
The Handy Revolution - Das erste modulare Handy der Welt von Fujitsu.

Mittwoch, 7. April 2010

Links zu Artikeln

Am Dienstag sind zwei meiner Artikel online erschienen. 


In der NZZ:
Toyota probt die Kulturrevolution
Eine kurze Fotostory über die "Kulturrevolution unter Kirschblüten" findet sich hier ... 


Im Standard:
Revolutionär am Wickeltisch 
Hironobu Narisawa rüttelt an den Grundfesten des Patriarchats: In Japan nimmt erstmals ein Bürgermeister Vaterschaftsurlaub. Narisawa heißt der neue Held der japanischen Frauenbewegung, 44 Jahre alt und Vorsteher des Tokioter Stadtteils Bunkyo.

Hatoyama auf dem heißen Stuhl


Japans Demokraten setzen eigenen Ministerpräsidenten unter Erfolgsdruck.

Erstmals spekuliert ein hochrangiger Politiker der DPJ öffentlich über einen möglichen Rücktritt von Ministerpräsident Yukio Hatoyama. Wenn Hatoyama nicht wie versprochen bis Ende Mai eine Lösung für den Truppenumzugsplan des US-Luftwaffenstützpunkts Futenma finde, müsse er wohl zurücktreten, sagte Kozo Watanabe, einer der sieben "Magistrate" genannten informellen Führer der Demokraten. Sein Nachfolger würde in diesem Fall Naoto Kan. Er sei jedoch zuversichtlich, dass Hatoyama ein Lösung finde, so Watanabe.
Die Aussage erhöht den Druck auf Hatoyama. In den vergangenen Wochen hatte der in den Medien breit ausgetragene Eiertanz seiner Regierung in der komplizierten Frage des Truppenumzugs mit dazu beigetragen, dass die Zustimmungsrate des Kabinetts in Umfragen auf fast 30 Prozent gefallen ist. 
Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Denn es gibt keine Lösung, die alle Beteiligten zufrieden stellt. Der von den USA favorisierte ursprüngliche Plan, einen Teil des US-Luftwaffenstützpunkts in Futenma nach Nago zu verlegen, trifft in der dortigen Bevölkerung wie auch bei vielen Demokraten und erst recht bei deren zwei Koalitionspartnern auf leidenschaftliche Ablehnung. Andere Lösungen lehnen die USA bisher ab. 
In diesem Schlamassel versucht Hatoyama gerade mit Hochdruck eine Lösung zu finden, die sein Gesicht wahrt, ohne innen- und außenpolitisch allzu großen Schaden anzurichten. Am Rande des Gipfeltreffens zur nuklearen Sicherheit in den USA will sich Hatoyama daher kommende Woche sich zu einem informellen Gespräch mit US-Präsident Barack Obama treffen, um dieses Problem zu diskutieren, melden japanische Medien.

Freitag, 2. April 2010

Die Newsliste: Freitag, 2.4.2010

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, hier einige News vom Tage:


Technik: The 3D Revolution is marching on - Handys und Videokonsole
Sharp hat heute ein neues 3D-Display für mobile Geräte vorgestellt, das Industriekreisen zufolge auch in der 3D-tauglichen neuen Nintendo 3D-DS eingesetzt wird. Es ermöglicht 3D-Effekte ohne Brille und kann auch in 2D-Modus und damit hohe Auflösung geschaltet werden. Auch eine kleine 3D-Knipse zeigte das Unternehmen.
Sharp rechnet damit, dass bald alle mobilen Geräte mit dieser 3D-ready-Technik ausgestattet werden. Das sei schlicht wie der Wechsel von Schwarz-weiss- zu Farbdisplays, so ein Manager.
* Später mehr davon, inklusive Bildern. Am eindrucksvollsten ist die Technik allerdings bei 3D-Videos. Auflösung und Helligkeit sind endlich hoch genug, um wirklich massentauglich zu sein.


Yamaha: Neue Aktien für neue Motorräder
Der japanische Motorradhersteller Yamaha Motors will durch die Ausgabe neuer Aktien 76 Mrd. Yen (600 Mio. Euro) für die technische Entwicklung auftreiben.

Donnerstag, 1. April 2010

Die Newsliste: Donnerstag, 1.4.2010

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einige News vom Tage:


Sammelüberschrift
Alles ist gut (April, April)



Tankan Bericht bestätigt Erholungsfantasien
Der Pessimismus von Japans Unternehmen hat laut dem Tankan-Bericht der Notenbank weiter abgenommen. Dies wird als Bestätigung des Mainstream-Szenarios gewertet, dass Japan einen Rückfall in die Rezession vermeiden und langsam weiter wachsen kann. 
Außerdem stärkt das Konjunkturbarometer die Hoffnung, dass der bisher vorrangig von den Exporten getragene Aufschwung auf die Binnenwirtschaft überzugreifen beginnt.
* Nun, das schlimmste scheint vorbei. Die Menschen beginnen wieder zu tanzen. Im Februar öffneten sie ihre Geldbörsen schon wieder so stark, dass die Experten staunten: Sie gaben vier Prozent mehr als vor einem Jahr aus. Ich hoffe, dass der Trend hält. Aber angesichts der explodierenden Staatsdefizite hege ich Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit des Konzepts.


IPO: Weltgrößter Börsengang erfolgreich verlaufen
Mit 160000 Yen ging die Aktie des Lebensversicherers Dai-ichi 20000 Yen über dem Ausgabepreis aus dem Handel. Dai-Ichi hat dick Kasse gemacht. Die Anleger hoffen zu folgen. Die Assekuranz will jetzt vor allem im Ausland wachsen.
* Endlich hat auch nach den Pannen der letzten Jahre auch der Finanzplatz Japan seine Erfolgsgeschichte. Das in der Vergangenheit öfter schon mal zusammengebrochene Handelssystem der Tokioter Börse ging diesmal so weit ich weiß nicht in die Knie. 


Seven-Eleven will in die Top-Ränge der globalen Einzelhandelsliga vorstossen 
Der japanische Einzelhandelskonzern Seven-Eleven will seinen globalen Absatz in den kommenden fünf Jahren auf 10 000 Mrd. Yen (79 Mrd. Euro) verdoppeln. Ich hab, jetzt nur Daten von 2008 gefunden, Aber nach dem Ranking wäre das Unternehmen damit nach Walmart und Carrefour auf dem 3. Platz.
* Japan-Kenner ist Seven-Eleven vor allem als allgegenwärtiger Convenience-Store-Betreiber bekannt. Aber das Unternehmen reicht inzwischen weit darüber hinaus, selbst bis in den Bankenbereich. Gerade heute sah ich in der U-Bahn eine Werbung, in der Seven-Eleven sagte, dass 2009 550 Millionen mal auf die Geldautomaten des Konzerns zugegriffen wurde, "so viele Mal wie Europa Einwohner hat", so die Werbung.

Mittwoch, 31. März 2010

Toyota: Kulturrevolution unter Kirschblüten

Vor dem Hauptquartier von Toyota in Toyota-City läuten blühende Kirschbäume den Frühling ein. Auch im Sitz des größten Autobauers Japans weht ein frischer Wind. Konzernchef Akio Toyoda hat am Dienstag 50 Topmanager aus aller Welt zum ersten Treffen des Sonderkomitees für globale Qualität geladen. Diese Taskforce soll unter seiner Leitung die Hauptzutat von Toyotas Erfolg retten: den Ruf als Qualitätshersteller, den der Konzern zuletzt durch den Rückruf von mehr als acht Millionen Autos ramponiert hat. „Wir wollen alle Qualitätsabläufe erneut überprüfen“, verspricht Toyoda.
Mit diesem Gremium zettelt der 53-jährige Enkel des Firmengründers bewusst eine kleine Kulturrevolution an. Toyoda ist im vorigen Jahr angetreten, um unter dem Schlachtruf „Zurück zu den Wurzeln“ den schwerfällig gewordenen, zentral geleiteten Konzern in mehrere regionale, agile Toyotas zu zerlegen. „Entscheidungen sollen so nahe wie möglich am Kunden gefällt werden“, erklärt Toyoda, nicht mehr wie bisher unter Kirschblüten.
Das Spezialkomitee sei ein Teil dieses „Neustarts“, so Toyoda. Im Endeffekt versucht er damit nichts weniger, als die Dezentralisierung voranzutreiben und die verkrustete Konzernbürokratie aufzubrechen. Sein Stosstrupp sind neun Qualitätsmanager, im Unternehmensjargon „Chief Quality Officer“ oder kurz CQO genannt. 
Sie vertreten die Hauptregionen des Konzerns vertreten, namentlich den USA, Europa, China, Japan, Asien und Ozenanien sowie dem Rest der Welt. Sie sollen unter Umgehung der Konzernbürokratie den Beschwerden der lokalen Kundschaft in der Zentrale direkt und weniger gefiltert Gehör verschaffen, gleichzeitig bei Rückrufe mitentscheiden, die bisher vor allem von Japan aus befohlen wurden, und vor Ort regionale Qualitätskomitees leiten. Europa wird durch den Franzosen Didier Leroy vertreten. 
Unterstützt wird der Vorstoss durch die Einrichtung von mehr als einem Dutzend weltweit verteilter lokaler Qualitätssicherungszentren. Dadurch hofft Toyota, schneller Kundenbeschwerden auf den Grund zu gehen und sie nicht mehr auf dem Weg durch die Verwaltung abzuschwächen. Denn ein Großteil der jetzigen Probleme sind behäbiger Fehlerkorrektur und abwiegelnder Bewertungen geschuldet. 
Ein Problem mit einem feststeckenden Gaspedal, das einmal getreten sich in einigen Fällen nur langsam oder gar nicht zurück bewegte, ist in Europa bereits im Jahr 2007 aufgefallen, aber offenbar nur teilweise behoben worden. 2009 tauchten Beschwerden in den USA auf. Dies führte im Januar zum zweiten Millionenrückruf in wenigen Monaten.
Der Aufwand tut dringend Not. Denn Toyota und Toyoda haben durch die Rückrufe und ihre träge Reaktion die wirtschaftliche zu einer regelrechten Vertrauenskrise ausufern lassen, die den Konzern auf Jahre hinaus zu belasten drohen. Schon vor dem Rückrufdebakel ist Toyota durch den krisenbedingten Kollaps der Autonachfrage in den Industrienationen im Jahr 2008 von einem Rekordgewinn auf einen Rekordverlust abgerutscht. Auch für das Ende März ablaufende Bilanzjahr erwartet Toyota rote Zahlen.
Die Rückrufe haben nun Toyotas Ruf als Qualitätshersteller in seinem einstigen Hauptmarkt USA just in dem Moment zerstört, in dem die Amerikaner wieder Autos zu kaufen beginnen. Toyoda musste sich sogar vor einem Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses für vermeintliche Qualitätsmängel verantworten. „Sind Toyota-Autos noch sicher?“, fragten die US-Politiker in einer Manier, die in Japan als gezielte Kampagne gegen Toyota zum Wohle der kriselnden US-Hersteller wahrgenommen wurde. Zusätzlich droht Toyota in den USA eine Prozesslawine, die die Bilanz mit mehreren Milliarden US-Dollar belasten könnte. Toyoda muss nun langen Atem beweisen. Denn ein Ruf ist weit schwerer repariert als ein Auto.

Tech-Blog: Nuklearer Klimaschutz - und was der Monju-Reaktor mit Industriepolitik zu tun hat

Mein Tech-Blog auf Technology Review läuft diesmal wieder am Mittwoch. 
Thema ist diesmal Japans Klimaschutzprogramm.


Aus gegebenen Anlass,
hier ein Update zum Monju-Reaktor.
Unter dem Eintrag steht noch eine Link-Sammlung zu früheren Monju-Texten.


Monju bleibt vorerst offline
Das Prestigeprojekt der japanischen Atomindustrie, der Neustart des schnellen Brüters Monju nach 15 Jahren unfallbedingter Zwangspause, verzögert sich weiter. Wegen eines politischen Fingerhakelns zwischen der Präfektur Fukui und der Zentralregierung konnte der umstrittene Versuchsreaktor nicht im März in Betrieb genommen werden.


Wie lange sich der Neustart hinauszögern wird, vermag derzeit keiner der Beteiligten zu sagen. Die Betreiber haben zwar die gesetzlichen Hürden gemeistert, aber Issei Nishikawa, der Gouverneur von Monjus Heimatpräfektur Fukui will nach Aussagen von Insidern seine Zustimmung gegen weitere Zugeständnisse der Regierung wie einen Anschluss an Japans Shinkansen-Netz verkaufen.


Für die Regierung ist die erneute Verschiebung ein kleiner Gesichtsverlust. Denn der Monju-Reaktor ist das Symbol für Japans ambitionierte Atomenergiestrategie: Das Land will sich in der globalen Renaissance der Atomkraft nichts weniger als die industrielle Führungsrolle sichern. Nach Angaben der internationalen Atomenergiebehörde befinden sich derzeit weltweit 56 Atomkraftwerke (Akw) in Bau oder Planung, ein Großteil davon in den USA und den Schwellenländern Indien und China. Und im Kampf um diese Aufträge ist Japan mit gleich drei internationalen Kraftwerksbauern so gut aufgestellt wie kein anderes Land.


Toshiba hat seine globalen Ambitionen durch den Kauf des US-Unternehmens Westinghouse unterstrichen, Hitachi durch einen Bund mit GE. Mitsubishi Heavy Industries wiederum kooperiert mit Frankreichs Areva in einigen Regionen bei der Entwicklung von Akws. Zudem sind die Japaner nach Frankreichs Ausstieg die einzigen Anbieter, die aktiv Brutreaktoren weiter entwickeln, die nicht nur Strom, sondern auch neues spaltbares Material erzeugen. Nach den amtlichen Plänen soll bis 2025 der erste Demonstrationsreaktor fertig gestellt und ab 2050 mit der Vermarktung begonnen werden.


Doch die Japaner spüren bereits den Atem der verbleibenden Konkurrenten im Nacken, namentlich der russischen Atomindustrie und vor allem des Neulings Südkorea. Die koreanische Atomallianz aus einem Stromkonzern und Kraftwerksherstellern hat sich jüngst ihren ersten Großauftrag über den Bau von Akws in den Vereinigten arabischen Emiraten im Wert von 40 Milliarden Dollar gesichert.


Nach der Einschätzung von Shunsuke Kondo, dem Vorsitzenden der japanischen Atomernergiekommission, unterscheiden sich die Chancen von Japans Atomindustrie allerdings je nach Region deutlich. Dank ihrer lokalen Bündnispartner haben die Japaner gute Chancen, von der energiepolitischen Wende in den USA zu profitieren. Nach einer 30-jährigen Abstinenz im Akw-Bau will die Regierung in den kommenden drei Dekaden 30 Meiler neu bauen. Um dieses Volumen konkurrieren die Japaner nur untereinander und mit Areva.


Gutes Geschäft verspricht auch der Heimatmarkt. Japans Regierung will die bestehenden 54 Reaktoren um neun weitere ergänzen, um Kohlendioxidemissionen und Japans Abhängigkeit von Energieimporten zu senken. Der Anteil von Akws an der Stromerzeugung soll so bis 2030 von 30 auf 49 Prozent erhöht werden.
In den restlichen Märkten stehen die Hersteller allerdings vor großen Herausforderungen. Die Regierungen in den viel versprechendsten Wachstumsmärkten China und Indien wollen aus militärischen Gründen ihre eigene Atomindustrie aufbauen. Ausländische Hersteller sind daher nur in der Anfangsphase genehm – wenn sie denn gleichzeitig ihre Technik übergeben. In diesen Ländern rät Kondo der japanischen Industrie dazu, sich auf die Rolle als Zulieferer von Material und Geräten zu beschränken.


Und in den anderen Märkten Asiens und des Nahen Ostens sind die Südkoreaner dank eines neuen Geschäftsmodells plötzlich zu formidablen Rivalen aufgestiegen. Im Gegensatz zu Areva und den Japanern, die Anlagen liefern, bieten sie ihren Kunden an, die Kraftwerke nicht nur zu bauen, sondern auch zu betreiben und nach einer festgelegten Dauer zu übergeben (BOT, Built, Operate, Transfer). Dies ist für Länder mit beschränkten Knowhow in der Atomenergie attraktiv. Japans Atomindustrie und Strombetreiber überlegen bereits, ein ähnliches Konzept aufzulegen, um ihre Chancen in Südostasien zu stärken.


Die unendliche Geschichte des Monju-Reaktors
1983 wurde die Baugenehmigung für den Schnellen Brüter erteilt, der nach Monju (Sanskrit: Mañjuśrī), dem buddhistischen Bodhisattwa der reinen Weisheit benannt wurde. Nach einigen Monaten am Netz trat im Dezember 1995 durch ein Leck im sekundären Kühlkreislauf das Kühlmittel, flüssiges Natrium, aus, und verursachte einen schweren Brand. Da die Betreiber erst mit 90 Minuten Verzögerung den Reaktor abschalteten und zudem versuchten, dass Ausmaß des Unfalls zu vertuschen, wurde das Vertrauen der Japaner in die Atomindustrie bis heute nachhaltig erschüttert. Nach einer Umfrage der Regierung standen 2009 noch immer 54 Prozent der Bevölkerung Akws skeptisch gegenüber. Seit 2003 bemühte sich die Regierung, Monju im Jahr 2008 wieder ans Netz zu bringen. Doch immer wieder wurde der Neustart verschoben. 


Links:
23.3.2010    Bill Gates und Toshiba brüten an Brütertechnik ...
24.3.2010    Tech-Blog: Unfertig ausgebrütet
24.3.2010    Chronik des Schnellen Brüters Monju
25.3.2010    Replik: Warum Japan weiter an der Brütertechnik brütet

Noch ein teurer eAuto-Spaß: Mitsubishi macht Nissan nach

Nissans heutige Preisankündigung für sein Elektroauto Leaf hat offenbar den Pionier der Branche, Mitsubishi Motors, dazu veranlasst, seinem kleinen eMini "i-Miev" eine große Preissenkung angedeihen zu lassen. Um 18:45 Uhr japanischer Zeit, noch rechtzeitig für die Morgenausgaben der japanischen Zeitungen, kündigte der Autobauer an, dass er Listenpreis für den am 1. April beginnenden Verkaufstart des Stromers an Privatkunden um 619000 Yen auf 3,98 Mio. Yen (32000 Euro) senken werde. (Mitsubishi verkauft den i-Miev bereits seit Juli 2009 an Firmenkunden). Der Preis ist für einen Viersitzer natürlich recht heftig. Aber durch die staatlichen Subventionen soll der effektive Verkaufspreis auf 2,84 Millionen Yen rutschen.
* Das ist nur noch doppelt so teuer wie die Benzin-Version. Geschenkt sozusagen. Aber holt man ja alles durch die niedrigeren Energiekosten wieder rein, oder?



Dienstag, 30. März 2010

Teurer eAuto-Spaß: Nissan gibt Preis für den Leaf bekannt

Nissans erstes eAuto, der Leaf (Blatt), macht seinem Namen alle Ehre: Für den Spaß, emissionslos durch die Gegend zu surren, müssen Kunden ordentlich hinblättern. 3,7 Millionen Yen (30 000 Euro) soll der Kleinwagen im Endeffekt in Japan kosten. Dank der Fördermittel des Staates müssen die Kunden  beim Verkaufsstart im Dezember allerdings nur 3 Millionen Yen selbst bezahlen, teilte Nissan heute mit. Die teure Batterie wird der Kunde nicht kaufen, sondern für eine monatliche Gebühr mieten. 


* Nissans Vorstoß belegt eindrucksvoll, dass eAutos wegen der hohen Batteriekosten derzeit ohne Subventionen nicht wettbewerbsfähig sind. Aber diese Klage ist unsinnig, meint wenigstens Nissan/Renault-Chef Carlos Ghosn, da die Subventionen nun mal Realität seien und daher mitgerechnet werden müssten. Er will sein neues Wägelchen natürlich nur dort auf den Markt bringen, wo staatlicher Zustupf winkt. Es wird spannend, ob er recht behält oder seine Kritiker. In Japans Wirtschaftsbürokratie soll jedenfalls Sorge herrschen, dass Ghosn auf den Bauch fällt und dabei Nissan mit hinunter reißt. Zu Nissans Trost übersteigen die Order bereits die diesjährige Produktionskapazität beträchtlich.

Sonntag, 28. März 2010

The Handy Revolution - das erste modulare Handy der Welt


In Japan hat am Freitag eine kleine Handy-Revolution begonnen. Der Elektronikkonzern Fujitsu hat das erste modulare UMTS-Handy der Welt auf den Markt gebracht. Bei dem von Japans größtem Handynetzbetreiber NTT Docomo verkauften F-04B können Nutzer 3,4-Zoll-Touchscreen-Display mitsamt seiner 12-Megapixelkamera von einem Tastaturteil trennen, das sowohl eine Tastatur mit Schreibmaschinenbelegung wie mit normalen Nummerntasten bietet. 
Das erste lang erwartete modulare Handy stößt die Tür in eine ganz neue Welt des Handygebrauchs auf wie ein kurzer Test der Geräts am Donnerstag zeigte. Da die zwei Sets schnurlos durch Bluetooth verbunden sind, können Kunden gleichzeitig telefonieren und auf dem Display Adressen nachschlagen, Fernsehen oder im Internet browsen. 
Natürlich läßt sich auch nur mit dem Touchscreen telefonieren, der damit zum superflachen und nur 87 Gramm schweren Phone mutiert. Das ebenfalls telefontaugliche Tastaturmodul wiegt 82 Gramm. Zusammengesteckt funktioniert das F-04B wie ein Slidephone.
Fujitsus Vorstoss wird von Experten mit Spannung beobachtet. Denn mit diesem neuen Handykonzept wird ein neues Geschäftsmodell eingeführt. 
Anders als Apple, das durch den Verkauf von Software Extragroschen einstreicht, winken den Herstellern von modularen Systemen durch das Angebot von zusätzlicher Hardware neue Verdienstmöglichkeiten.


Fujitsu bietet als erstes Peripheriegerät einen Miniprojektor an, der bis zu 50 Zoll große Bilder und Filme an die Wand werfen kann. Weitere Hardware soll folgen, als Ideen kursieren Drucker und Scanner oder weitere spezialisierte Displays. Zudem hat Fujitsu hat bereits eine Reihe von Ideen für neue Modulhandys in der Schublade, die das Unternehmen allerdings noch nicht verraten will. „Dies ist erst der Anfang“, sagt ein Manager.
Ein Massenhit dürfte das Gerät allerdings nicht werden. Dazu ist es schlicht zu teuer. Rund 500 Euro soll der Listenpreis laut Insidern betragen. Dafür ist das Gerät allerdings auch mit neuester Technik und Software vollgestopft: GPS, Schrittmesser, elektronische Geldbörse - und interessanterweise Bewegungssensoren in beiden Modulen. 
Dies ermöglicht ganz neue Videospiele: So können die Nutzer zum Beispiel das Tastaturteil für den Golfschwung oder das Bowlen verwenden, während das Display auf dem Tisch die Aktion zeigt.
Auch die Software bietet Neuerungen. Die Kamera (höchste Lichtempfindlichkeit laut Hersteller 25600 ISO) beispielsweise kann über den Touchscreen oder auch fernbedient vom Tastaturset ausgelöst werden. Gezoomt wird durch einfaches Fingergleiten über den Bildschirm.
Zur Bedienung: Hin- und wieder wünscht man sich ein paar Klicke weniger, um zum Ziel zu gelangen, und einen schnelleren Wechsel zwischen Funktionen. Gewöhnungsbedürftig ist zudem die Dicke im zusammengesteckten Zustand (zwei Zentimeter) und die Dünne und Toplastigkeit des Tastaturteils in der Slidefunktion, da die Nummertastur die unterste Schicht des Systems darstellt. Insgesamt wirkt es aber für einen Erstling gut durchdacht.

Donnerstag, 25. März 2010

Handy-Revolution: Fujitsu stellt das erste modulare Handy der Welt vor


Am Donnerstag habe ich ausprobiert, was heute in Japan in den Geschäften landet: das erste modulare Handy der Welt: das von Fujitsu für den Netzbetreiber NTT Docomo hergestellte Docomo Prime Series F-04BAuch auf die Gefahr hin, dass ich als Schönredner bezeichnet werde: Endlich sehe ich mal wieder ein Gerät, dass ich als Meilenstein sehe - technisch und für die Geschäftsmodelle. Und zur Abwechslung lässt es sich auch bedienen. 
Hier schon mal eine kurze Nachricht dazu. Wenn ich Zeit finde, lade ich auch noch Fotos hoch.

Das modulare Handy: Docomo Prime Series F-04B von Fujitsu
Endlich wird getrennt, was getrennt gehört. Der japanische Elektronikkonzern bringt morgen in Japan das erste modulare, mit neuester Hightech vollgestopfte Handy der Welt heraus, bei dem man das Touchscreen-Display mitsamt seiner 12-Megapixelkamera von der doppelten Tastatur (Qwery-Keyboard und reine Nummerntasten) trennen kann. Damit können Kunden nicht nur gleichzeitig telefonieren und Adressen nachschlagen, Fernsehen oder im Internet browsen. Aufgesteckt auf einen optionalen Miniprojektor wird das Handy sogar zum Filmvorführgerät, das bis zu 50 Zoll große stillstehende und bewegte Bilder an die Wand werfen kann.
Fujitsu und der Netzbetreiber NTT Docomo erhoffen sich von diesem neuen modularen Handy eine Revolution des Geschäftsmodells. Im Unterschied zu Apple setzen sie nicht allein darauf, dass die Kunden Programme laden. Sondern sie eröffnen für sich selbst und Drittfirmen die Möglichkeiten, zusätzliche Hardware - Module, Gadgets und Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner - zu entwickeln. Damit hört das Verdienen nicht beim Kauf des Handys und der Telefon- und Datenrechnung auf, sondern Betreiber und Hersteller wird durch den Verkauf von Hardware-Additionen auf die Lebensdauer des Handys verlängert.
Für Fujitsu ist dies nur das erste Gerät dieser neuen Klasse. Weitere modulare Handys für verschiedene Zwecken werden folgen. 
Weitere Features: GPS, elektronische Geldbörse, Schrittmesser, Fernbedienung von Kamera und Videospielen wie Golftrainer oder Bowling, bei denen das Tastaturmodul den Schwung aufzeichnet, während das Display die Analyse wiedergibt (beide Module haben Bewegungssensoren eingebaut), Fotokamera mit ISO 25000...

Die Newsliste: Donnerstag, 25.3.2010

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die News vom Tage.


Politik

Witzig: Japans Regierung beschließt Truppenumzugsplan
Wenn sich die heutige Idee der japanischen Regierung zum Umzug des US-Luftwaffenstützpunkts Okinawa durchsetzt, drohen Amerikas GIs schwere Zeiten. Die Regierung hat heute nach Medienberichten beschlossen, dass ein Teil des Helikoptergeschwaders ins Camp Schwab im Bezirk Nago auf Okinawa umzieht. Allerdings soll die notwendige Landebahn für Flugzeuge nicht wie im ursprünglichen Plan in Nago gebaut werden. Stattdessen soll die US-Armee eine bestehende Landebahn auf dem 100 Kilometer entfernt liegenden Eiland Tokunoshima nutzen. Der Vorschlag soll morgen mit dem Gouverneur von Okinawa und am Montag am Rande des G-8-Außenministertreffens mit den USA erörtert werden. 
* Alles andere als eine weitere Belastung der Allianzbeziehungen kann ich mir durch diesen Vorschlag nur schwer vorstellen. Ich wäre sehr überrascht, wenn die USA die Teilung ihres Stützpunktes akzeptieren. Schon militärisch macht das kaum Sinn, und erst recht nicht menschlich. Eine Stationierung auf Tokunoshima muss als Höchststrafe gelten, denn außer 80 Kilometer Küstenlinie hat die von 27 000 Menschen bewohnte Insel meines Wissen nichts zu bieten. Die Insel würde sich gut als Häftlingsinsel eignen. 

Hitzig: Japans Regierung streitet über Revision der Postprivatisierung
Der gestern vom Kabinett vereinbarte Gesetzentwurf zur Revision der Postprivatisierung löst einen Streit in der Regierung aus. Strategieminister Yoshito Sengoku forderte eine weitere Diskussion der Einlagenobergrenze, die Finanzwesenminister Shizuka Kamei auf 20 Millionen Yen verdoppeln will. Er befürchtet, dass dadurch den Banken ein Wettbewerbsnachteil gegen die riesige Postbank entsteht. Kamei lehnt jedoch jede Veränderung am Gesetzentwurf ab.
* Sengoku drückt damit das wachsende Unbehagen der eher neoliberalen Reformkräfte in der DPJ mit dem Kurs von Premier Yukio Hatoyama und Kamei aus. Sie befürchten, dass unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit ihrer Ansicht nach notwendige Deregulierungen nicht nur nicht angepackt, sondern sogar bestehende Liberalisierungsmaßnahmen zurückgedreht werden könnten.
 
Unternehmen
Geizig: Toyota überlegt Reorganisation der heimischen Fabriken
Um Kosten zu senken, überlegt Toyota, die Produktion von ähnlichen Produkten seiner verschiedenen Markten jeweils in einem Standort zu konzentrieren. Bisher liefen beispielsweise Daihatsus in Daihatsu-Fabriken vom Band. 

Tech-Blog: Warum Japan weiter an der Brütertechnik brütet

Ein Leser meines Blogs auf Technology Review über Bill Gates's Atomprojekt TerraPower und den Monju-Reaktor  beklagte sich gestern, dass ich keine Gründe für Japans Festhalten an der Brütertechnik aufgeführt hätte, die die Kosten in den Augen der Planer rechtfertigen würden.

Das stimmt und hat einen Grund. Mit einer Wirtschaftslichkeitsrechnung kommt man bei einem Zeitrahmen von 40 Jahren (von heute aus gerechnet) und von 70 Jahren (von der Baugenehmigung für Monju aus gerechnet) bis zum erhofften Start der Kommerzialisierung der Technik im Jahr 2050 nicht weit.

Kein wirtschaftlich denkender Kraftwerksbetreiber ist bereit, die Technik aus eigener Kraft zu entwickeln. Selbst die Franzosen sind ausgestiegen. Es handelt sich daher m.E. nur um eine strategische Entscheidung, die sich nicht direkt in Geld aufwiegen lässt. Darum habe ich im Blogeintrag darauf verzichtet, liefere aber hier gerne ein paar Gründe nach, die auch im Forum zum Blog nachzulesen sind:
(Eine Chronik des Monju-Reaktors gibt es weiter unten im Blog oder direkt hier...)

1. Industriestrategie: Japans Regierung will den drei lokalen Kraftwerksbauern Know-how auch in der Brütertechnik verschaffen. Solange kein anderes Land in die Technik wieder einsteigt, sind Japans Hersteller die einzigen weltweit, die über Know-how in allen Reaktortypen verfügen. Japan betreibt auch einen experimentellen Hochtemperaturreaktor. Der Weltmarkt lockt.

2. Energiestrategie: Japans Regierung will durch den Ausbau der Atomkraft und ab 2050 durch Brutreaktoren die bisher hohe Abhängigkeit von Energieimporten senken.  Dazu versucht das Land, den nuklearen Brennstoffkreislauf zu schließen, siehe Monju und die  Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho (eine weitere müsse noch gebaut werden, da Rokkashos Jahreskapazität
von 800 Tonnen nicht ausreicht, um die jährlich anfallenden 1000 Tonnen an abgebrannten Nuklearbrennstoff wiederaufzubereiten, sagte gestern der Vorsitzende von Japans Atomenergiekommission Shunsuke Kondo).
Plutonium genug hat das Land ja inzwischen aufgehäuft (wie im Blog beschrieben). Und durch schnelle Brüter könnte das Land immer weiter spaltbares Material erzeugen, das vorhandene Material deutlich effektiver nutzen  und so seine Energieversorgung auf Jahrhunderte sichern. (Kondo betonte heute im Gespräch, dass Leichtwasserreaktoren nur ein Prozent des Potenzials von Uran nutzen würden, schnelle Brüter hingegen 70 bis 80 Prozent.)
In einem ersten Schritt will Japan das Plutonium in Mox-Brennelementen (Mox steht für Mischoxid) in Leichtwasserreaktoren verfeuern und die abgebrannten Brennstäbe zwischenlagern, bis die schnellen Brüter ab 2050 ans Netz gehen. Bis 2100 sollen die schnellen Brüter etwa 70 Prozent des Stroms produziern, entnehme ich einer von Kondos Grafiken.

3. Klimapolitik: Die Atomlobby glaubt, dass Japan nur mit Hilfe der Atomkraft die CO2-Senkungsziele der neuen Regierung (bis 2020 minus 25 Prozent im Vgl. zu 1990) erzielen kann. Acht Prozent sollen vom Ausbau der Atomkraft stammen (neun neue Reaktoren, Anhebung der
Kapazitätsauslastung von derzeit 60 auf 80 Prozent). Bis 2030 soll der Anteil der Akws an der Stromerzeugung von derzeit 30 auf 49 Prozent ausgebaut werden, so Kondo.

4. aber darüber spricht man nicht offiziell, Militärstrategie: Japans Aussenpolitik beruht zwar seit den 1960er Jahren auf den drei nichtnuklearen Prinzipien (weder Atombomben zu entwickeln, zu produzieren noch im Land zu stationieren). Aber das Land besitzt über das Know-how und die Raketen, innerhalb kurzer Zeit zu einer Atommacht aufzusteigen. Ob es sich um Wochen, Monate, ein Jahr oder mehrere Jahre handelt ist umstritten, nicht aber die Möglichkeit.
Dazu wird die atomare Bewaffnung immer offener diskutiert. Selbst ehemalige Ministerpräsidenten haben inzwischen gesagt, dass Japan trotz seiner pazifistischen Verfassung auch Atombomben besitzen dürfte - als Verteidigungswaffe.

Nun denn, was kann man noch dagegen einwenden?
1. Da ist das leidige Problem mit der Entsorgung. Die ist nicht ansatzweise gelöst. Bisher hat sich keine Gemeinde in Japan freiwillig gemeldet, um sich als Endlagerstätte anzubieten. Bei 54 Atommeilern im Land wird das langsam zum Problem. Aber der Marianengraben ist nicht weit.

2. Sicherheit: Eine Kernschmelze hat nun mal auf die Bewohnbarkeit der Umgebung akut eine andere Auswirkung als die Explosion eines Kohlekraftwerks oder ein Kurzschluss in einem Solarkraftwerk. In Japan gilt dies umso stärker, weil die Bevölkerung in wenigen Ballungsräumen hoch konzentriert wohnt.
Dass Japan das Land mit den meisten Erdbeben auf der Welt ist, darunter mehrere Regionen mit dem Potenzial von Beben der Stärke 8 und höher auf der Richterskala, erhöht das Risiko von Gaus gegenüber Ländern wie Deutschland beträchtlich (achja, nicht zu vergessen
Vulkanausbrüche, 40 heiße Schlote stehen hier glaube ich über die Inseln verteilt).
Dazu kommen natürlich noch die Verunreinigungen durch Wiederaufbereitungsanlagen. Aber Japan ist von jeder Menge Wasser umgeben, da hoffen die Planer wohl auf Verdünnung der Radioaktivität (bin mit aber nicht sicher, ob ich dann noch Fisch aus Nordjapan, besonders den von dortigen Fischern gefangenen edelsten Blauflossenthun, noch essen möchte, nachdem Rokkasho im Oktober 2010 - so wenigstens der derzeitige Plan - losrecyceln wird).
Und auf die herrschenden Zweifel an der Gründlichkeit der Betreiber bin ich ja im Blog eingegangen.

3. Kosten: Die Gretchenfrage ist natürlich, warum der Staat nicht für ähnlich viel Geld in die technische Entwicklung von alternativen Energien wie der Sonnenenergie und  Wasserstoffwirtschaft, neue Stromnetze oder das Energie sparen pumpt, wo durch wodurch vielleicht technische Sprünge ermöglicht werden würden, die die Abhängigkeit von relativ gefährlichen Techniken wie der Atomkraft senken könnten. Besonders in einem Land wie Japan, das - siehe oben - oft von Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgesucht wird, macht das m. E. schon Sinn.

Mittwoch, 24. März 2010

eAuto: Uni-Start-Up will Autobauern Konkurrenz machen

Nano-Optonics, ein kleines Uni-Start-up aus Kioto will im kommenden Jahr mit der Herstellung von eAutos beginnen. Dies wäre der erste Neueintritt eines fachfremden Unternehmens in die japanische Autoindustrie in der jüngeren Geschichte.
* Dieser Fall verdeutlicht die große Herausforderung, vor die Elektroautos die angestammten Autobauer stellen. Durch den Wegfall des technisch komplizierten Verbrennungsmotors, der bisher die größte Eintrittshürde für Neulinge darstellt, haben es neue Unternehmen leichter, in den Markt vorzustoßen. Experten erwarten daher eine
Vielzahl neuer Gesichter in dem Markt.
Die offizielle Pressekonferenz soll am 29.3. stattfinden.