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Freitag, 8. Oktober 2010

Japan plant neues Konjunkturprogramm

Während Deutschland derzeit in unerwarteten Wachstumshoffnungen schwelgt, kämpft Japan gegen einen Rückfall in die Krise. Nachdem die massiven Währungseingriffen zur Schwächung des Yen bereits verpufft sind, hat sie am Freitag zusätzlich ein neues Konjunkturprogramm in Höhe von 5000 Mrd. Yen (43,5 Mrd. Euro) auf den Weg gebracht. Das Programm soll das Wachstum um 0,6 Prozentpunkte erhöhen und 450000 bis 500000 Jobs sichern, erklärte das Finanzministerium.

Auslöser des Programms ist die Angst, dass der schnelle Anstieg des Yen den Aufschwung abwürgen könnte. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt hatte sich bereits im vorigen Quartal verlangsamt. Doch schlimmer noch, bereits jetzt erwarten die Firmen eine rapide Verschlechterung des Geschäftsklima im letzten Quartal des Jahres, weil sich Japans Exportprodukte durch den Höhenflug des Yen besonders gegenüber den südkoreanischen Rivalen verteuern.

In einer ersten Notmaßnahme hatte die Regierung vor wenigen Wochen erstmals seit secheinhalb Jahren am Währungsmarkt eingegriffen, um den Dollar zu stärken, der auf den tiefsten Stand seit 1995 gefallen war. Diese Woche senkte zudem die Notenbank den Zins auf Null Prozent und kündete andere Maßnahmen an, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Doch da Geldpolitik in der Regel erst mit einer Verspätung von 12 bis 18 Monaten voll auf die Konjunktur durchschlägt, sah sich die Regierung in der Pflicht, ihrerseits kurzfristiger die Wirtschaft zu stützen. 

Rund 3100 Mrd. Yen des Pakets hat die Regierung zur Förderung der Regionen, Investitionen in gesellschaftlich notwendige Einrichtungen und die Stützung von Kleinunternehmen eingeplant. Zudem will die Regierung auch Geld für die Suche nach Alternativen für die wichtigen Seltenerden bereit stellen, die für die Produktion für viele Hightechprodukte von Akkus über Elektromotoren bis hin zu Flachfernsehern wichtig sind. Denn China, der Quasi-Monopolist dieser seltenen Metalle, hatte nach Medienberichten den Export in einem Territorialkonflikt gestoppt.

Montag, 19. April 2010

Die Newsliste: Montag, 19.4.2010

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einige News vom Tage.



Mitsubishi Motors mit Gewinnwarnung 


Der japanische Autohersteller Mitsubishi Motors hat am Montag seine Gewinnprognose für das Ende März abgelaufene Bilanzjahr 2009 mehr als halbiert. Zwar rechnet das Unternehmen weiterhin damit, 2009 in die Gewinnzone zurückgekehrt zu sein. Aber der Betriebsgewinn soll nun die Vorsage mit 13 Mrd. Yen um 54 Prozent untertreffen, der Reingewinn mit 4,7 Mrd. Yen um sechs Prozent. 2008 fuhr das Unternehmen noch einen kleinen Betriebsgewinn von 3,9 Mrd. Yen, aber einen großen Reinverlust von 54,9 Mrd. Yen ein. 
Zwei Gründe nennt das Unternehmen für das Verfehlen seiner Ziele: Zum einen sackte der Umsatz stärker als erwartet auf 1440 Mrd. Yen ab, 27 Prozent weniger als vor einem Jahr und vier Prozent unter Plan. Zum anderen konnten die Kosten nicht so stark wie erwartet gesenkt werden.
* Damit wird die Luft für den kleinen Hersteller zusehends dünner. Dass die Verhandlungen mit PSA über eine Allianz gescheitert sind, verschärft die düsteren Aussichten noch. Wenn die Japaner nicht in die Puschen kommen, droht ihnen alsbald der Tod durch Auszehrung. Derzeit leben sie noch von durchaus pfiffigen Autos, die in der Allianz mit Daimler entwickelt wurden. Meine Favoriten sind der Colt, aber vor allem der "I", der für mich schon immer der smartere "Smart" war.


Japans Verbraucher optimistischer
Japans Verbraucher sind so gut gelaunt wie seit fast zweieinhalb Jahren nicht mehr. Wie Japans Kabinettamt am Montag erklärt hat, ist der Verbrauchervertrauensindex im März um 1,1 auf 40,9 Punkte gestiegen. Damit liegt er so hoch wie seit November 2007 nicht mehr. Die gefühlte Stimmung am Arbeitsmarkt hellte sich sogar um 1,7 auf 35,9 Punkte auf. Die Regierung verbesserte nach diesem Ergebnis die Bewertung für die Konsumlaune der Japaner von „gleich bleibend“ auf „belebend“. 
* Dies ist ein weiteres Indiz für die "Es-wird-wieder-in-die-Hände-gespukt"-Propheten. Die hoffen bereits seit Monaten, dass die von asiatischen Nachfrage angetriebene Erholung der Exportindustrie auf die Binnennachfrage überzugreifen beginnt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte dies die Volkswirte sogar zu einer Erhöhung ihrer Wachstumsprognosen veranlassen, die für dieses Jahr bereits jetzt oft oberhalb von zwei Prozent liegen.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Die Newsliste: Mittwoch, 30.12.2009

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die News des Tages


JAPAN - Wirtschaftspolitik
Japan legt neue Wirtschaftsstrategie vor
Japans neue Regierung hat ihre lang erwartete Wirtschaftsstrategie vorgelegt. Danach soll die Wirtschaft bis 2020 nominal um 3 und inflationsbereinigt um 2 Prozent wachsen. Als Wachstumsmotoren sieht die Regierung Umweltschutz und grüne Industrien, das Gesundheitswesen und Tourismus. Im Unterschied zu der seit 1955 fast ununterbrochen regierenden LDP wollen die neuen Machthaber nicht durch Bauprojekte Unternehmen fördern, sondern die Nachfrage der Bürger steigern, sagte Premier Yukio Hatoyama.


* Hatoyama hat seine große Chance verspielt, Japanern die Angst vor dem Niedergang zunehmen. De facto ist der Plan eine schlechte Nachricht. Denn mit dieser Wachstumsphilosophie wird Japan sein Schuldenproblem nicht lösen. Japans konsolidierte Staatsschuld beläuft sich auf fast 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, haben Ökonomen berechnet. Dabei ist der Ausweg (volkswirtschaftlich gesehen) so einfach:
Erstens Anhebung der Steuern, deren Anteil am Nationaleinkommen derzeit weit unterhalb des europäischen Durchschnitts liegen, um die Schulden abbauen zu können. 
Zweitens ein offizielles Inflationsziel von 2 Prozent für die Notenbank, um die reale Schuldenlast klein zu inflationieren. 
Die Wirtschaftsstrategie der Demokraten deutet allerdings nur auf eine Inflation von 1 Prozent hin. Steuererhöhungen schließt die Regierung zudem für die kommenden vier Jahre aus, während die Verschuldung krisenbedingt explodieren wird. Für das im April beginnende Haushaltsjahr hat Japan einen Rekordhaushalt von 92 Billionen Yen eingeplant, der sich nur durch hohe Neuverschuldung finanzieren läßt.
Die Sorge um die Schulden wird sich Japanern wie Unternehmen auf die Seele legen. Konsumenten werden daher weiterhin ihre Geldbörsen zu halten, um für die angenommenen schlechten Zeiten zu sparen, was wiederum die Abwanderungsabsichten der Unternehmen stärken wird. 
Vor diesem Hintergrund ist besonders bedenklich, dass die Regierung offenbar eine stärker nach innen gerichtete Wirtschaft in einer Zeit propagiert, in der Japans bisherige Wachstumsmotoren, die Großkonzerne, sich stärker internationalisieren müssen, um mittel- und langfristig international wettbewerbsfähig bleiben zu können. Der Managerverband Keizai Doyukai fordert massiv eine Öffnung der Unternehmen wie des Landes für Ausländer. Doch die Botschaft der Regierung scheint zu sein: Wir wollen es zuhause warm und wohlig haben, die Welt ist uns zu bös und kalt. 

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Die Newsliste: Donnerstag, 10.12.2009

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die News vom Tage:



Unternehmen
Panasonic erwirbt Aktienmehrheit an Sanyo
Der japanische Elektronikgigant Panasonic hat heute für 404 Mrd. Yen (über den Daumen knapp über drei Mrd. Euro) 50,18 Prozent der Aktien an dem Elektronikhersteller Sanyo erworben.
Der strategisch für Panasonic wichtige Deal lag lange auf Eis, weil die Wettbewerbshüter in China und den USA ihre Genehmigung hinausgezögert haben. Denn durch den Kauf hat Panasonic zum Beispiel bei einigen Batterietypen einen dominierenden Marktanteil. 
Panasonic ist besonders an Sanyos Lithium-Ionen- und Solarzellengeschäft interessiert. Panasonic selbst ist ebenfalls stark bei Akkus, aber vertraglich bei Batterien für Hybrid- und Elektroautos durch ein Joint Venture bisher an Toyota gebunden. Sanyo hingegen bedient mehrere Autohersteller wie Volkswagen. 
Solarzellen hat Panasonic bisher gar nicht im Programm. Doch das Management sieht darin einen wichtigen Wachstumsmarkt. Durch den Kauf von Sanyo will das Unternehmen zu einem der führenden Anbieter von umweltfreundlichen Energieprodukten werden.
* Darüber hinaus hat der Kauf auch eine sentimentale Note. Er ist eine Herzensangelegenheit. Panasonic holt ein verlorenes Kind, das in eine tiefe finanzielle Krise gefallen ist, zurück in die Familie. Sanyo wurde nach dem Krieg von einem Schwager des Panasonic-Gründers Konosuke Matsushita gegründet. Die Hauptquartiere beider Konzerne liegen an einer Bahnstation in Osaka.


Konjunktur
Regierung genervt von BIP-Korrekturen
Japans Regierung will die Berechnungsmethode des Bruttoinlandsprodukts ändern, um schneller verlässlichere Daten zu produzieren. Dies sagte heute ein Sprecher des Kabinettamts heute. 
Die Regierung reagiert damit auf die drastische Senkung des BIP für das dritte Quartal. Nach der ersten Schätzung war das Wachstumstempo mit 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal noch in der Spitzengruppe der Industrieländer. Doch nach den neuen Daten stellt sich nun heraus, dass die Wirtschaft mit 0,3 Wachstum nahezu stagnierte. Auch das Wachstum für weiter zurückliegende Quartale wurde teilweise deutlich revidiert. 
* Die Unzuverlässigkeit der Daten ist in Japan ein ständiger Wegbegleiter. Es gab meines Wissens schon mehrere Versuche, die Ergebnisse akkurater zu machen. Aber bisher hat es offensichtlich nicht funktioniert. Ich habe daher schon seit Jahren keine Lust mehr, über die erste Schätzung der BIP-Daten zu schreiben. Auch Ökonomen verlassen sich bei ihren Analysen nicht auf sie, sondern auf andere Indikatoren. Ich frage mich allerdings, wie sie Wachstumsprognosen erstellen, wenn die Daten immer auf Jahre zurück revidiert werden.


POLITIK
DPJ-Dele trifft in Beijing ein
Die regierende DPJ hat rund 140 ihrer Parlamentarier zu Gesprächen nach Beijing geschickt. Chef der Delegation ist Ozawa. Die japanischen Politiker treffen auf chinesische Kollegen. 
Die DPJ führt diese Reisen schon seit Jahren durch, um den Dialog zwischen beiden Nationen zu vertiefen. Sowohl Ozawa als auch Hatoyama fordern eine stärkere Einbindung Japans an die asiatische Wirtschaft. Eine gutnachbarliche Beziehung mit dem Milliarden-Volk ist eine Bedingung dafür. 
Das jetzige Treffen hat natürlich einen sehr viel höheren Stellenwert als die vergangenen. Denn seit September sind die Demokraten das erste Mal in ihrer Parteigeschichte Regierungspartei. 
Ozawa sagt zwar, Regierungsgeschäfte würden nicht berührt, da es sich um reine Parteigespräche handeln würde. Aber er könnte die Treffen dennoch nutzen, um informell einige brisante Fragen zu besprechen. Tokio reagierte gestern unwirsch auf Berichte, dass China eine Gasförderplattform in einem von beiden Nationen beanspruchten Seegebiet gebaut hat und kurz vor der Inbetriebnahme steht. Damit würde China aus japanischer Sicht gegen bisherige Abkommen verstoßen. 

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Die Newsliste: Donnerstag, 1.10.2009

Sporadisch, subjektiv * und ohne Anspruch auf Vollständigkeit - die News vom Tage:
JAPAN
Konjunktur: Tankan-Bericht bekräftigt Erholung in etwas weniger mieses Terrain
Die Stimmung der japanischen Großkonzerne hat sich deutlich verbessert, allerdings nur auf ein weniger mieses Niveau. Die zeigte heute das vierteljährliche Geschäftsklimabarometer der Notenbank, der Tankan-Bericht. Als eine Folge wollen die Unternehmen ihre Investitionen nun noch stärker senken als bisher.
Zusammen mit den Industriedaten deutet dies auf eine leichte Verlangsamung des Wachstums (gemessen gegenüber dem direkten Vorgängermonat/jahresviertel). Aber noch befürchtet kaum jemand einen "double dip".
* Auswirkungen: Plan der Notenbank, den Schuldenkauf von Firmen zu beenden, wird gestärkt, Der Plan für ein Schuldenmoratorium für KMU von Finanzwesenminster Shizuka Kamei wird etwas geschwächt.
Kamei will aber trotzdem weitermachen.


Unternehmen: JAL-Aktien steigen nach Rückendeckung durch die Regierung
Japans neue Regierung hat gestern den Märkten versprochen, jegliche Kapitalengpässe bei JAL auszugleichen. Der Aktienpreis ist daraufhin heute um 5 Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt gefallen ist.