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Mittwoch, 18. Januar 2012

Der Handy-Zensus

In meiner wöchentlichen Kolumne auf Technology Review geht es diesen Donnerstag um ein interessantes Volkszählungsprojekt von Japans Handynetzriesen NTT Docomo. Der Konzern testet ein Verfahren, Handy-Positionsdaten zu nutzen, um eine Art Echtzeit-Zensus der japanischen Bevölkerung aufzustellen. Dazu werden einmal stündlich alle Docomo-Handys um eine Basisstation erfasst. Das Ergebnis sind interessante Karten über die Verteilung der Bevölkerung über 24 Stunden.
Auf den Screenshots kann man wunderbar die hohe Bevölkerungskonzentration in Japans Metropolen erkennen, die am frühen Nachmittag geradezu absurde Spitzen erreicht. Quelle ist in allen Fällen NTT Docomo.

Japan um sechs Uhr morgens. Merke, dass die Bevölke-rungsver-teilung die Topographie quasi als Negativ wider-spiegelt. Japan ist extrem bergig. Und in den Bergen leben kaum Menschen. Die konzen-trieren sich in den Ebenen der Küste, von rechts nach links: Tokio, Nagoya, Osaka-Kioto-Kobe-Region und auf Kyushu die Stadt Fukuoka.

 Nun nochmal die gleiche Karte um 15 Uhr. Ein Blick auf diese Karte alleine zeigt, warum die Welt ein starkes Erdbeben unter Tokio fürchten sollte. Das ökono-mische Leben des Landes ist hier konzentriert.
Und weils so schön war, hier das ganze noch mal aus der Nähe für Tokio. Nachts zieht sich die arbeits-tätige Bevölkerung in die Vorstädte zurück, ...
 ... um sich tagsüber in der Innen-stadt zu konzen-trieren.
Bei einem Erdbeben in Tokio würden laut Docomos Zensus rund 4 Millionen Pendler in der Hauptstadt stranden und müssten versorgt werden.

Mittwoch, 3. November 2010

News: MUFG mit Mega-Banken-Deal, Sharps 3D-Handys kommen

Die News, sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die News vom heutigen Feiertage:



Mega-Bankendeal: MUFG will RBS-Sparte kaufen
Nach Medienberichten will Japans größte Finanzgruppe MUFG für 4,5 Mrd. Euro das Projektmanagementgeschäft der Royal Bank of Scottland kaufen. Auf ihrem Weg zu einem globalen Player will die MUFG mit dem Zukauf ihre Position in der Projektfinanzierung stärken. 
Die RBS gilt als einer der führenden Projektfinanzierer der Welt. Ihre Stärken liegen Energie- und Infrastrukturprojekten in Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Die MUFG ist in diesen Regionen hingegen bisher nur schwach vertreten. 
* Die Japaner werden damit erneut zu einem Nutznießer der globalen Finanzkrise. So musste die RBS durch Regierungsgelder gerettet werden, die die klamme britische Regierung sich nun durch die Zerlegung der Bank zurückzuholen gedenkt. Verhandlungen zwischen den Japanern und der britischen Regierung, die 84 Prozent an der RBS hält, hatten bereits im April begonnen. MUFG hatte nach einer Prüfung vorigen Monat ihr Angebot vorgelegt. Insider erwarten, dass der Deal noch dieses Jahr unterzeichnet und 2011 über die Bühne gehen wird.


Technik
Sharps 3D-Handy kommt
Nintendos 3D-Display-Lieferant Sharp wird im Dezember mit dem Verkauf seines neuen 3D-Handys in Japan beginnen (einen kurzen Test der Technik habe ich auf TechWatcher Asia online gestellt). Anbieter wird der Handynetzbetreiber Softbank, der in Japan auch die Vertriebsrechte für Apples iPhone besitzt. Der auf der Ceatec gezeigte Prototyp deutet darauf hin, dass das Smartphone auch mit einer 3D-Kamera ausgestattet sein wird.

* Wie schon im Ceatec-Blog beschrieben, beginnt damit nach ersten gescheiterten Versuchen die 3D-Ära fürs Handy. Erste 3D-Handys der Japaner floppten noch jämmerlich, weil die Auflösung der Displays zu gering und die Handys durch die Bauart des Bildschirms zu dick waren.
Doch Sharps neue Displays sind nicht mehr dicker als andere normale Touchscreens und verfügen über eine so hohe Auflösung in 2D, das auch noch bei der für 3D zwangsläufigen Halbierung die Bilder scharf genug bleiben. Nintendo wird die Displays daher in seiner kommenden portablen Gamekonsole 3DS einsetzen. 

Mittwoch, 26. Mai 2010

Bildschirm in der Füllerkappe - Sony stellt aufrollbares Oled-Display vor

Sony hat heute ein aufrollbares Oled-Display vorgestellt. Es kann sogar noch Filme wiedergeben, während es um einen Stift gewickelt wird.

Ermöglicht wird der Trick durch eine Technik, die Sony "organic thin-film transistor driven full color Oled-display" nennt. Das 4,1-Zolldisplay ist 80 Mikrometer dick und hat eine Auflösung von 121 ppi. 
Selbst nach 1000 mal Ein- und Aufrollen gab es "keine klare Verschlechterung" des Displays, behauptet Sony.
Zu wünschen wäre es, denn damit würde der Traum von ausrollbaren Mini-Displays für Fernseher, Lesegeräte oder Handys im Stiftformat wahr.
Die Presseerklärung findet sich hier ... .

Mittwoch, 19. Mai 2010

Fotostory: Das Gundam-Handy


Der Hype um die 31 Jahre alte Zeichentrickserie Gundam, in der Kinder in riesigen Roboteranzügen die Welt im All gegen Bösewichte verteidigen, wird heute in die nächste Umlaufbahn geschossen. Der Mobilnetzbetreiber Softbank nimmt ab heute Bestellungen für ein Gundam-Handy an. Ab Dezember soll es auf den Markt kommen. 
"Mobile Suite Gundam" ist nicht irgendein Robotanzug. Für die junge Generation der japanischen Roboteringenieure war Gundam das, was Astroboy für die Pioniere der japanischen Robotik war: er inspirierte sie, durch die Entwicklung von Maschinenwesen die Welt für die Menschen zu verbessern. 
Eine sehr sympathische Idee, die unter anderem dazu führt, dass Japans Ingenieure ihre kreativen Energien auf freundliche Menschenhelfer und nicht auf Kampfroboter richten. Oder wollen Sie in einem Terminator-Café einkehren? Da ist das Gundam-Café in Akihabara sehr viel freundlicher.
Unvergessen natürlich die lebensgroße Gundam-Statue in Odaiba, mit der voriges Jahr Gundams 30. Geburtstag begangen wurde. 

Donnerstag, 29. April 2010

Tech Blog: Meilenstein oder Geldvernichtungsmaschine.


Heute im donnerstäglichen Blog auf Technology Review gehe ich etwas ausführlicher auf die erste kommerzielle Batteriewechselstation der Welt ein, die Better Place finanziert vom japanischen Staat am Montag in Tokio eingeweiht hat. Hier gibt es jetzt einige Bilder dazu.
Die Batteriewechselstation ist nahe dem U-Bahnhof Toranomon, gut sichtbar von der Straße, mit großen Fenstern, damit die Passanten auch ja Notiz nehmen von dem vermeintlichen Meilenstein der eAuto-Entwicklung. Links ist der Chef der Taxi-Firma Kawanabe, gefolgt von einem Beamten, dem Chef von Better Place Japan Fujii, Agassi, seinem Chairman Ofer und - wenn ich mich recht entsinne - dem dänischen Botschafter.
Hier drängt sich das erste eTaxi nach der Eröffnung der Batteriewechselstelle durch die Journalistenmassen. Das eTaxi wurde von Nissan gebaut.
Agassi ließ es sich natürlich nicht nehmen, den Batteriewechsel selbst zu erklären. Er hat wirklich Überzeugungskraft, sonst würde er kaum so viele Unternehmen, Regierungen und Banken als Partner gewonnen haben. Nichtsdestotrotz drängt sich die Frage auf, ob er Visionär oder Verblendeter ist.
Und wir verschwinden nun kurz im Untergrund, um einen Batteriewechsel aus nächster Nähe zu besichtigen. Tisch und Schiebetür sind hier deutlich zu erkennen. In der klimatisierten Halle dahinter lagern die Batterien im Hochregalen, wo sie unter optimalen Bedingungen geladen werden. Dadurch soll sich die Haltbarkeit der Batterie erhöhen. Besonders normales Schnellladen verschlechtert die Leistungsfähigkeit der heutigen Batterien noch.
Ein Transportschlitten schafft vollautomatisch die neue Batterie heran. Später wird sie je nach Wagentyp den passenden Akku auswählen, derzeit wird nur ein Modell hantiert.
Oben ist das Auto auf die Plattform gefahren, die Schiebetür gleitet zur Seite, ...
... und der Wechsel beginnt. Der Tisch hebt sich, ...
... das Auto lässt die alte Batterie los, ...
... der Tisch senkt sich und gibt den Blick auf das leere Batteriefach im Auto frei. Der Tisch mit der leeren Batterie rauscht zur Seite ...
... und gibt den Weg frei für den geladenen Akku, den der Tisch schnell zum Batteriefach hebt.
Das Auto greift sich nun die Batterie, zieht sie in Position und befestigt sie. Um die Batterie akkurat zu positionieren, können sich sowohl der Tisch etwas verdrehen als auch der Greifmechanismus im Auto die Batterie justieren. Damit soll der Batteriewechsel sogar dann noch funktionieren, wenn das Auto etwas schräg steht. 
Während sich die Schiebetür schließt, saust die leere Batterie in Richtung Hochregal.
Tür zu, Taxe fahrbereit. Und nach rund einminütigem Halt kann es mit vollem Akku weitergehen. Der Batteriewechsel kann auch weit schneller geschehen, dann rumpelt es allerdings mehr. So ist außer einem leichten Auf und Ab kaum etwas zu spüren.
Hier geht es jetzt zur Probefahrt. Man beachte die weißen Handschuh, Standardausstattung für viele Taxifahrer, aber nicht nur für sie. Die Schutzhandschuhindustrie in Japan muss riesig sei.
Und nun kommen wir noch zum iPhone, das im eAuto der Zukunft einen zentralen Platz einnehmen wird, ...
... und zwar als Kontrollinstrument. In Echtzeit zeigt es neben dem derzeitigen Standort ...
... auch den Zustand der Batterie sowie die aktuellen Fahrdaten der eTaxis an. Nissan will eine Handy-Fernbedienung/-kontrolle auch für sein erste eAuto Leaf einführen, das Ende des Jahres auf den Markt kommen soll.

Freitag, 2. April 2010

Die Newsliste: Freitag, 2.4.2010

Sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, hier einige News vom Tage:


Technik: The 3D Revolution is marching on - Handys und Videokonsole
Sharp hat heute ein neues 3D-Display für mobile Geräte vorgestellt, das Industriekreisen zufolge auch in der 3D-tauglichen neuen Nintendo 3D-DS eingesetzt wird. Es ermöglicht 3D-Effekte ohne Brille und kann auch in 2D-Modus und damit hohe Auflösung geschaltet werden. Auch eine kleine 3D-Knipse zeigte das Unternehmen.
Sharp rechnet damit, dass bald alle mobilen Geräte mit dieser 3D-ready-Technik ausgestattet werden. Das sei schlicht wie der Wechsel von Schwarz-weiss- zu Farbdisplays, so ein Manager.
* Später mehr davon, inklusive Bildern. Am eindrucksvollsten ist die Technik allerdings bei 3D-Videos. Auflösung und Helligkeit sind endlich hoch genug, um wirklich massentauglich zu sein.


Yamaha: Neue Aktien für neue Motorräder
Der japanische Motorradhersteller Yamaha Motors will durch die Ausgabe neuer Aktien 76 Mrd. Yen (600 Mio. Euro) für die technische Entwicklung auftreiben.

Sonntag, 28. März 2010

The Handy Revolution - das erste modulare Handy der Welt


In Japan hat am Freitag eine kleine Handy-Revolution begonnen. Der Elektronikkonzern Fujitsu hat das erste modulare UMTS-Handy der Welt auf den Markt gebracht. Bei dem von Japans größtem Handynetzbetreiber NTT Docomo verkauften F-04B können Nutzer 3,4-Zoll-Touchscreen-Display mitsamt seiner 12-Megapixelkamera von einem Tastaturteil trennen, das sowohl eine Tastatur mit Schreibmaschinenbelegung wie mit normalen Nummerntasten bietet. 
Das erste lang erwartete modulare Handy stößt die Tür in eine ganz neue Welt des Handygebrauchs auf wie ein kurzer Test der Geräts am Donnerstag zeigte. Da die zwei Sets schnurlos durch Bluetooth verbunden sind, können Kunden gleichzeitig telefonieren und auf dem Display Adressen nachschlagen, Fernsehen oder im Internet browsen. 
Natürlich läßt sich auch nur mit dem Touchscreen telefonieren, der damit zum superflachen und nur 87 Gramm schweren Phone mutiert. Das ebenfalls telefontaugliche Tastaturmodul wiegt 82 Gramm. Zusammengesteckt funktioniert das F-04B wie ein Slidephone.
Fujitsus Vorstoss wird von Experten mit Spannung beobachtet. Denn mit diesem neuen Handykonzept wird ein neues Geschäftsmodell eingeführt. 
Anders als Apple, das durch den Verkauf von Software Extragroschen einstreicht, winken den Herstellern von modularen Systemen durch das Angebot von zusätzlicher Hardware neue Verdienstmöglichkeiten.


Fujitsu bietet als erstes Peripheriegerät einen Miniprojektor an, der bis zu 50 Zoll große Bilder und Filme an die Wand werfen kann. Weitere Hardware soll folgen, als Ideen kursieren Drucker und Scanner oder weitere spezialisierte Displays. Zudem hat Fujitsu hat bereits eine Reihe von Ideen für neue Modulhandys in der Schublade, die das Unternehmen allerdings noch nicht verraten will. „Dies ist erst der Anfang“, sagt ein Manager.
Ein Massenhit dürfte das Gerät allerdings nicht werden. Dazu ist es schlicht zu teuer. Rund 500 Euro soll der Listenpreis laut Insidern betragen. Dafür ist das Gerät allerdings auch mit neuester Technik und Software vollgestopft: GPS, Schrittmesser, elektronische Geldbörse - und interessanterweise Bewegungssensoren in beiden Modulen. 
Dies ermöglicht ganz neue Videospiele: So können die Nutzer zum Beispiel das Tastaturteil für den Golfschwung oder das Bowlen verwenden, während das Display auf dem Tisch die Aktion zeigt.
Auch die Software bietet Neuerungen. Die Kamera (höchste Lichtempfindlichkeit laut Hersteller 25600 ISO) beispielsweise kann über den Touchscreen oder auch fernbedient vom Tastaturset ausgelöst werden. Gezoomt wird durch einfaches Fingergleiten über den Bildschirm.
Zur Bedienung: Hin- und wieder wünscht man sich ein paar Klicke weniger, um zum Ziel zu gelangen, und einen schnelleren Wechsel zwischen Funktionen. Gewöhnungsbedürftig ist zudem die Dicke im zusammengesteckten Zustand (zwei Zentimeter) und die Dünne und Toplastigkeit des Tastaturteils in der Slidefunktion, da die Nummertastur die unterste Schicht des Systems darstellt. Insgesamt wirkt es aber für einen Erstling gut durchdacht.

Donnerstag, 25. März 2010

Handy-Revolution: Fujitsu stellt das erste modulare Handy der Welt vor


Am Donnerstag habe ich ausprobiert, was heute in Japan in den Geschäften landet: das erste modulare Handy der Welt: das von Fujitsu für den Netzbetreiber NTT Docomo hergestellte Docomo Prime Series F-04B. Auch auf die Gefahr hin, dass ich als Schönredner bezeichnet werde: Endlich sehe ich mal wieder ein Gerät, dass ich als Meilenstein sehe - technisch und für die Geschäftsmodelle. Und zur Abwechslung lässt es sich auch bedienen. 
Hier schon mal eine kurze Nachricht dazu. Wenn ich Zeit finde, lade ich auch noch Fotos hoch.

Das modulare Handy: Docomo Prime Series F-04B von Fujitsu
Endlich wird getrennt, was getrennt gehört. Der japanische Elektronikkonzern bringt morgen in Japan das erste modulare, mit neuester Hightech vollgestopfte Handy der Welt heraus, bei dem man das Touchscreen-Display mitsamt seiner 12-Megapixelkamera von der doppelten Tastatur (Qwery-Keyboard und reine Nummerntasten) trennen kann. Damit können Kunden nicht nur gleichzeitig telefonieren und Adressen nachschlagen, Fernsehen oder im Internet browsen. Aufgesteckt auf einen optionalen Miniprojektor wird das Handy sogar zum Filmvorführgerät, das bis zu 50 Zoll große stillstehende und bewegte Bilder an die Wand werfen kann.
Fujitsu und der Netzbetreiber NTT Docomo erhoffen sich von diesem neuen modularen Handy eine Revolution des Geschäftsmodells. Im Unterschied zu Apple setzen sie nicht allein darauf, dass die Kunden Programme laden. Sondern sie eröffnen für sich selbst und Drittfirmen die Möglichkeiten, zusätzliche Hardware - Module, Gadgets und Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner - zu entwickeln. Damit hört das Verdienen nicht beim Kauf des Handys und der Telefon- und Datenrechnung auf, sondern Betreiber und Hersteller wird durch den Verkauf von Hardware-Additionen auf die Lebensdauer des Handys verlängert.
Für Fujitsu ist dies nur das erste Gerät dieser neuen Klasse. Weitere modulare Handys für verschiedene Zwecken werden folgen. 
Weitere Features: GPS, elektronische Geldbörse, Schrittmesser, Fernbedienung von Kamera und Videospielen wie Golftrainer oder Bowling, bei denen das Tastaturmodul den Schwung aufzeichnet, während das Display die Analyse wiedergibt (beide Module haben Bewegungssensoren eingebaut), Fotokamera mit ISO 25000...

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Ceatec 2009: Das 3D-Universum kommt!

Mein donnerstäglicher Blog auf Technology Review ist diesmal der japanischen Elektronikmesse Ceatec gewidmet. Hier eine Bilderstrecke dazu.



Japans berühmte Elektronikmesse Ceatec bietet diesmal buchstäblich einen Blick in die Kristallkugel. Am Eingang der Halle für Konsumelektronik hat die kleine Erfinderstube Holoart ein Glaskugel ausgestellt, die durch ein hineinprojiziertes Bild zum feschen Display mutiert. Der nächste Trend der Elektronikindustrie ist allerdings auch ganz ohne wahrsagerische Hilfsmittel offensichtlich: hochauflösende 3D-Flachfernseher.

Sony hat gleich seine Hauptbühne der neuen Technik verschrieben und zeigt auf einem halben Dutzend Flachfernsehern Videospiele, Sport und Filme in drei Dimensionen. Doch auch die Rivalen Panasonic, Sharp und Mitsubishi Electric stellen die 3D-TVs in den Mittelpunkt. Mit den neuen Geräten wollen sie vom derzeitigen 3D-Kinoboom profitieren.

Auch wenn Sony den anderen Herstellern die Schau stiehlt, der Vorreiter bleibt Panasonic. Nachdem Panasonic 2008 den ersten hochauflösenden 3D-Fernseher der Welt vorgestellt, folgt dieses Jahr das erste Massenmodell. Der präsentierte 50-Zoll-Plasmafernseher kommt 2010 auf den Markt. Sony wird erst Monate später folgen. Die Konkurrenz dürfte noch ein bißchen länger mit der anspruchsvollen Technik ringen. Daneben erlaubt Panasonic einen Blick in die Kristallkugel, den Fernseher der übernächsten Generation. Die Auflösung ist vier mal so hoch wie die von heutigen Full-HD-TVs.

Die europäische Fahne im 3D-Reigen hält diesmal Heinrich-Hertz-Institut der Fraunhofer-Gesellschaft hoch. Die deutschen Forscher stellen ein marktreifes, brillenloses 3D-Display zur Schau, dessen Bilder durch Fingerzeig in alle Richtungen drehen lassen. Hier ein auf den Rücken gelegter Mammut. Nur taugt es nicht zum Fernsehen, sondern nur zum Werbe- oder Infodisplay.




Andere Hersteller üben sich auch an der Handsteuerung wie hier Hitachi. Mit der Wischbewegung einer Hand kann man den Globus drehen. Drei mal um ein Icon kreisen vergrößert es oder ruft es auf. Mit zwei Händen kann man Bilder oder Submenüpunkte vergrößern oder schließen. Allerdings hakelt das System ohne Übung. Im Schnitt benötigen Nutzer fünf bis sechs Minuten Training, meint ein Techniker.



Und wo sind die OLED-Displays? Mitsubishi Electric stellt ein modulares Großdisplay vor. Es besteht aus rund zehn Quadratzentimeter großen Teilen, die zu Bildschirmen in beliebiger Größe zusammengesetzt werden können.

Sony tritt nach seinem auf der Ceatec 2007 groß gefeierten Einstieg in den OLED-TV-Markt verdammt kurz. Der Konzern stellt anstelle von Produkten nur nicht funktionsfähige Designobjekte aus wie hier ein faltbares Notebook. Es sieht cool aus und bietet interessante Ideen für eine intuitive Bedienung, aber es funktioniert halt nur in der virtuellen Animation.

Interessantes findet sich auch in der Handyecke: Hier der Marathon Viewer von KDDI. Damit ermöglicht das Unternehmen reale Marathon-Wettkämpfe im virtuellen Raum. Hört sich verschroben an, ist aber einfach. Im Internet wird ein Marathon-Wettkampf organisiert (entweder von KDDI oder Nutzern selbst), bei dem sich die Wettläufer aus ganz Japan anmelden können. Die Neuerung: Zur Startzeit rennen die Teilnehmer los, und zwar einjeder oder einejede in der heimischen Ortschaft. Die Handys der Teilnehmer (ausgestattet mit GPS und Pedometer, beides schon weit verbreitet in japanischen Handys) meldet die Laufwerte jedes Teilnehmers an den Server, der aus den Daten in Realzeit ein Ranking ermittelt, den Laufweg misst und die zurückgelegte Strecke mitsamt Zeit und Ranking an die Läufer oder auf einen Computerbildschirm zurückübermittelt. Am Ende wird der Sieger virtuell prämiert.

Und zum Abschluß lädt das Maskottchen der Ceatec dazu ein, auch nächstes Jahr die Messe wieder zu besuchen. Adieu und bis zum nächsten Jahr.


Montag, 14. September 2009

Die Newsliste: Montag, 14.9.2009

Sporadisch, subjektiv * und ohne Anspruch auf Vollständigkeit - die News vom Tage:

Japan wird das Schwert als Symbol seiner Kultur nicht los. Selbst das Online-Technikmagazin des Verlags Nikkei BP, Tech-On, sieht offenbar einen metaphysischen Link zwischen dem extrem analog metzelnden Samurai-Schwert und modernster Hightech des Digitalzeitalters. Just stellte es den vierten Teil über "das japanische Schwert" (Teil 1 hier) in seiner Rubrik waza no kokoro (die Seele der Technik) online. In der Serie wird das Schwert umfassend von seiner Bedeutung über die einzelnen Produktionsschritte bis zum letzten Schliff begleitet. Damit soll wohl die Liebe zum Detail beschworen werden, die in der Selbst- und Außenwahrnehmung vieler japanische Produkte von denen anderer Nationen abhebt. Das gilt allerdings bisher vorrangig für handfeste Güter. Japanische Softwarehäuser von Weltrang sucht man bisher vergebens. Es besteht noch die kleine Chance, dass sich dies mit dem mobilen Internet ändert. Einige japanische Firmen schreiten in die Welt hinaus. Aber ob sie es zu Riesen schaffen?

Die NEWs des Tages:
JAPAN
Passend zum Schwert eine Heldengeschichte
HELDEN: Baseballstar Ichiro Suzuki schreibt Geschichte in Amerika
Japans Megastar Ichiro Suzuki schreibt Geschichte im Mutterland des Baseballs. Als erster Spieler der Major League hat er neun Saisons in Folge mehr als 200 Hits erzielt. Die Post nimmt ab morgen Bestellungen für eine Ichiro-Sonderbriefmarke entgegen.
* Ichiro wird heute bestimmt die Top-Nachricht in den Abendnachrichten werden. Ichiro ist Kult, selbst für einen Baseballbanausen wie mich. Er ist einfach cool, schnell, brillant und vollbringt mit dem Baseballschläger Wunder, die Samurai mit dem Schwert zugetraut werden.

Unternehmen: Hitachi und Casio besiegeln Handy-Merger
Die Konsolidierung in Japans dicht gedrängtem Handymarkt schreitet voran. Hitachi und Casio haben heute die Zusammenlegung ihrer Handy-Sparten unterschrieben. Weitere Deals werden folgen. Denn der Markt schrumpft nicht nur. Gleichzeitig drängen ausländische Hersteller wie HTC oder LG auf den Markt und werden von den Mobilgesellschaften prominent im Fernsehen beworben.
* Die Konsolidierung mitsamt der Marktöffnung für ausländische Firmen ist ein deutliches Zeichen, dass Japan mit dem Boom von UMTS-Handys seine Führungsrolle bei der Hardware, sprich dem Handy, verliert. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das Land bei Anwendungen, Inhalten und Diensten für das mobile Internet der Welt noch um Jahre voraus ist. Und immer mehr Firmen haben das verstanden (siehe der in der gestrigen Newsliste erwähnte Kauf von Net mobile durch NTT Docomo) und versuchen, ihr Know-how global in Marktanteile umzumünzen.

Politik: LDP sucht einen Chef
Es ist ein Posten, den keiner will: der Parteivorsitz der (nieder)geschlagenen Liberaldemokratischen Partei. Nach dem Rücktritt von Premier Aso als Parteichef traute sich bislang kein Nachfolger aus der Deckung. Als erster wagt sich nun der ehemalige Finanzminister Sadakazu Tanigaki hervor.
* Der dröge wie ein Buchhalter wirkende Politiker ist mit Sicherheit nicht der Retter der Partei. Muss er auch nicht sein. Die LDP braucht jetzt erstmal einen Pappkameraden, der den Posten des Parteichefs besetzt, während die Partei intern den neuen Weg diskutiert. Ein undankbarer Job. Aber irgendjemand muss es ja machen.

Unternehmen: Toyota bleibt bei NiMH-Akkus für Hybride
Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg hat ein Test mit Lithium-Ionen-Akkus bestückten Prius' ergeben, dass das geringere Gewicht der neuen Hochleistungsakkus nicht durch die höheren Kosten gerechtfertigt werden kann. Also bleibt Toyota für seine Massenhybride bei den bewährten NiMH-Batterien.
* Nun, dass ist nicht ganz neu, aber schön zusammengefasst. Für eAutos und Plug-in-Hybride sieht die Gleichung allerdings anders aus.

Mittwoch, 9. September 2009

Techno Blog: Wider den Apple-ismus

Wider das Einheitsdesign von Apple, haben sich die Japaner gesagt. Wie im Techno-Blog auf Technology Review über den Appleïsmus beschrieben, verwandeln die vermeintlich so kollektivistischen Japaner industrielle Massenware durch Handy-Tuning in individuelle Einzelstücke. Softbanks edle iPhone-Lackhüllen sind eine Augenweide. Das Samurai-Quintett besteht aus Oda Nobunaga, Date Masamune, Uesugi Kenshin, Naoe Kanetsugu und Sanada Yukimura.

Billig geht es natürlich auch. Fast jeder Geschmack wird bedient, von Tand ...



... bis Gothic-Chic. Es darf ruhig grell sein. Dezent geht natürlich auch. Mehrere Regale bei Bic Camera sind mit Klebebildchen gefüllt.




Auch vor größeren Dingen wie dem Subnetbook "Netwalker" von Sharp macht der Trend zur Individualisierung nicht halt.




Auch ich bin endlich schwach geworden und habe mein Telefon individualisiert. Das Aufkleben ist wirklich nur eine Sache von ein paar Minuten.

Dienstag, 18. August 2009

Im Focus: Mozart mobil & Test ein Dual Screen Notebook

Japan ist für witzige Handy-Ideen berühmt. Im jüngsten Focus (34/2009) konnte ich einige Modelle vorführen. Der Hit der Saison ist das Solarzellenhandy von Sharp. Zehn Minuten Sonnenbad reichen für eine Minute telefonieren. In der Zukunft werden diese mobilen Sonnenkollektoren auch in anderen Märkten auf den Markt kommen. Denn Sharp verkauft das Solarzellenmodul an jeden Hersteller, der es haben will. Allerdings halte ich das Sonnenhandy bei diesen lahmen Ladezeiten für wenig mehr als einen Marketinggag.

Mein persönlicher Favorit ist das wahrscheinlich musikalischste Handy der Welt. Das CA001 von Casio kann elf Instrumente simulieren, darunter ein Klavier, eine Harfe, Rasseln oder Trommeln. Bedient werden sie über ein Touchpad, aufnehmen können Möchtegern-Mozarts ihre Ergüsse obendrein. Was das Handy kann, zeigte der Mobilnetzbetreiber AU bereits auf der Ceatec 2008. Damals ließ AU eine Handy-Band auf der Bühne rocken und Orchestermusik spielen.

Darüber hinaus habe ich ein Notebook von Sharp getestet, dessen Touchpad durch einen berührungsempfindlichen Vier-Zoll-Flüssigkristallbildschirm ersetzt wurde. Das Mebius NJ-70A erinnert damit ein bisschen an Nintendos Spielekonsole DS, die sich auch über einen Touchscreen bedienen lässt. Damit können Nutzer nicht nur den Mauszeiger bedienen, sondern auch handschriftliche Notizen schreiben und auf dem großen Bildschirm ablegen, Karten malen, Fotos beschriften, auf einer eingeblendeten Tastatur Klavier spielen oder kegeln.
Besonders praktisch: Viel benutzte Programme können auf dem Bonsai-Bildschirm angezeigt und mit einer leichten Berührung des Fingers geöffnet werden. Hübsch ist, dass sich im Mausmodus wahlweise eine Uhr, ein Kalender oder Fotos als Hintergrund einblenden lassen. Eine interessante Zukunft verspricht die besondere Touchscreen-Technik. Sharp hat als erster Hersteller winzige optische Sensoren ins Display eingebaut, die die Bewegung von bis zu drei Fingerspitzen gleichzeitig wahrnehmen können. Mit der passenden Software versehen könnte der Mini-Bildschirm auch Visitenkarten scannen. Dies hat Sharp bereits auf der Ceatec 2007 vorgeführt. Auch dieses Gimmick dürfte sich bald weltweit in Notebooks wiederfinden. Denn Sharp wird nicht den Mebius global verkaufen, sondern den Touchscreen.