Freitag, 18. März 2011

Der gefühlte Verrat

Donnerstag, acht Uhr morgens. Der Shinkansen fährt pünktlich ab, viele Plätze sind noch frei. Die Tokioter streben zur Arbeit. Es sieht fast wie ein normaler Arbeitstag aus. Doch für mich ist dieser Donnerstag morgen alles andere als normal. Nachdem die deutsche Botschaft Mittwoch Nacht eine Ausreiseempfehlung ausgegeben hat, verlasse ich die Stadt, die seit fast elf Jahren meine Heimat ist. Ich fahre in die Kansai-Region, wo bereits die meisten deutschen Journalisten Quartier bezogen haben.

Es fühlt sich an, als verrate ich Tokio. Verrate meine Freunde, die bleiben. Die Mitarbeiter im Foreign Correspondents's Club of Japan (FCCJ), die in der letzten Woche den Club rund um die Uhr für Journalisten aus aller Welt offen gehalten haben. Die sich zur Arbeit durchgeschlagen, obwohl die Zugverbindungen blockiert waren, um Pasta zu servieren oder Pressekonferenzen zu organisieren wie die vom Toshiba-AKW-Ingenieur Masashi Goto, der als erster Industrieinsider offen vor einem Tschernobil gewarnt hat. Die Stadt scheint das zu spüren. Die Passanten schauen mich, den Koffer schiebenden Ausländer, aus den Augenwinkeln an.

Als ich Morgens um kurz nach 7 Uhr den FCCJ verlasse, habe ich einen Kloß im Hals. Denn ich weiß nicht, wann ich wieder kommen werde, und wie die Stadt dann aussehen und sich anfühlen wird. Seit Kaiser Akihito sich am Mittwoch erstmals auf dem Höhepunkt einer Krise in einer Fernsehansprache an die Nation gewendet hat, um Hoffnung zu spenden, ist  meine Hoffnung gesunken, dass der Gau im Kraftwerkskomplex Fukushima noch verhindert werden kann. 

Noch besteht Hoffnung, das schlimmste abzuwenden. Aber im Katastrophenfall wird das Leben nicht mehr unbeschwert sein, selbst wenn Tokio von der Strahlung verschont werden sollte, wofür einiges spricht. Denn in der Nachbarschaft läge dann ein ein riesiges radioaktiv verseuchtes Brachland.

Meine größte Sorge ist allerdings eine Massenflucht, die mehr Tote an einem Tag als der Durchzug einer strahlenden Wolke in einer Lebenszeit fordern könnte. Ja, bisher reagieren die Japaner mit ihrer berühmten Ruhe auf die Krise, gehen diszipliniert zur Arbeit als sei nichts passiert. Sie sagten mir auch, sie wollten den Anweisungen der Regierung und der Retter wie bei Erdbeben folgen.

Aber den Fluchtreflex zu überwinden, erfordert bei einem möglichen Gau vor der Haustür weit mehr Energie als bei einem Erdbeben. Ein Erdbeben kommt ruckartig. Danach geht es je nach Stärke entweder so weiter wie bisher oder man muss aufräumen, oder aufbauen, oder man ist tot. Durch die recht häufigen Beben lernt man dieses Verhalten rasch. Genau wie die Japaner habe ich mich von den zahllosen Nachbeben kaum ablenken lassen und auch dann noch getippt, wenn mein Arbeitsplatz im FCCJ auf der 19. Etage des Yurakucho Denki Buildings schaukelte wie ein Schiff auf hoher See.

Die Angstkurve bei einem Atomunglück hingegen steigt über Tage und Wochen immer weiter an. Der Druck nimmt zu. Dennoch kommen die Menschen zur Arbeit, weil die Routine sie ablenkt und Sicherheit gibt, weil sie ihren Kollegen nicht hängen lassen wollen, oder schlicht Angst haben, ihren Job zu verlieren.

Eines der wenigen Ventile gegen die Ohnmacht ist das Horten Lebensmitteln und -bedarf, um sich eine Woche vor der radioaktiven Wolke in der Wohnung verstecken zu können. Selbst Klopapier ist inzwischen knapp. Ein Knall im AKW könnte den seelischen Panzer vielleicht zersprengen und die Leute ungeplant flüchten lassen.

Der akute Strommangel verstärkt die düstere Stimmung noch. Um Strom zu sparen, sind in allen Gebäuden viele Deckenlampen ausgeschaltet oder herausgenommen worden. In der Nacht werden sogar Neonreklamen ausgeschaltet. Ich habe Tokio, mein glitzerndes Juwel, noch nie so dunkel und ruhig gesehen. Die angespannten Seelen lachen in den Büros nicht, grüßen kaum. Manchmal wirken sie mir so wie Verurteilte, die gefasst zum Schafott schreiten. Auch ich ertappe mich dabei, Abschied zu nehmen von dem bekannten Leben.

Doch als ich etwa zweieinhalb Stunden später in Kioto aus dem Shinkansen steige, verfliegen die Schatten. Wie in Tokio vor dem Beben quellen die Kaufhausregale über. Die Menschen schlendern durch die Straßen. Lachen und plappern. In der Nacht funkelt die Stadt wie ein Kristallleuchter. Wenn ich nicht den Fernseher anstellen würde, wäre Tokio und der Super-Gau auf einmal weit weg. Ich fühle mich wohl. Sicher. Und schuldig. „Gut, dass du nach Kioto gefahren bist“, mailt mir eine japanische Bekannte, „die Lage ist unstabil und wird von Minute zu Minute schlimmer.“ 

Donnerstag, 17. März 2011

Leaving Tokyo, heading for Kansai

Gestern Nacht hat die deutsche Botschaft eine Ausreiseempfehlung für Ost-Japan auf ihrer Homepage online gestellt. 
Damit muss auch ich die Zelte abbrechen. Ich werde vorerst nach Kansai umsiedeln, in der Hoffnung, sobald wie möglich wieder zurückkommen zu können.



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Mittwoch, 16. März 2011

Wie groß ist die Strahlengefahr in Tokio?

Es sieht schlimm aus in Fukushima. Die Experten rechnen sogar den Fall durch, dass es bei drei Reaktoren zur Kernschmelze mit anschließender Explosion kommt. Ich habe nun eine Mail mit einer Stellungnahme von britischen Strahlenexperten erhalten. Danach sieht es für die Präfektur Fukushima schlimm aus. Selbst in den und die beiden größten Städte der Region, Koriyama und Fukushima, ist die Gefahr groß. Fukushima liegt ungefähr 70 Kilometer von den Reaktoren entfernt, Koriyama 60 Kilometer. 

Aber einer Mitschrift von einem Briefing von britischen Strahlenschutzexperten (siehe unten) besteht für Tokio keine unmittelbare und nicht einmal mittelbare Gefahr. 

Hier ist die Mitschrift auf Englisch, unkommentiert.
Subject: Making sense of it all

I have just returned from a conference call held at the British Embassy in Tokyo. The call was concerning the nuclear issue inJapan. The chief spokesman was Sir. John Beddington, Chief Scientific Adviser to the UK Government, and he was joined by a number of qualified nuclear experts based in the UK. Their assessment of the current situation in Japan is as follows:
* In case of a 'reasonable worst case scenario' (defined as total meltdown of one reactor with subsequent radioactive explosion) an exclusion zone of 30 miles (50km) would be the maximum required to avoid affecting peoples' health. Even in a worse situation (loss of two or more reactors) it is unlikely that the damage would be significantly more than that caused by the loss of a single reactor.
* The current 20km exclusion zone is appropriate for the levels of radiation/risk currently experienced, and if the pouring of sea water can be maintained to cool the reactors, the likelihood of a major incident should be avoided. A further large quake with tsunami could lead to the suspension of the current cooling operations, leading to the above scenario.
* The bottom line is that these experts do not see there being a possibility of a health problem for residents in Tokyo. The radiation levels would need to be hundreds of times higher than current to cause the possibility for health issues, and that, in their opinion, is not going to happen (they were talking minimum levels affecting pregnant women and children - for normal adults the levels would need to be much higher still).
* The experts do not consider the wind direction to be material. They say Tokyo is too far away to be materially affected.
* If the pouring of water can be maintained the situation should be much improved after ten days, as the reactors' cores cool down.
* Information being provided by Japanese authorities is being independently monitored by a number of organizations and is deemed to be accurate, as far as measures of radioactivity levels are concerned.
* This is a very different situation from Chernobyl, where the reactor went into meltdown and the encasement, which exploded, was left to burn for weeks without any control. Even with Chernobyl, an exclusion zone of 30 miles would have been adequate to protect human health. The problem was that most people became sick from eating contaminated food, crops, milk and water in the region for years afterward, as no attempt was made to measure radioactivity levels in the food supply at that time or warn people of the dangers. The secrecy over the Chernobyl explosion is in contrast to the very public coverage of the Fukushima crisis.
* The Head of the British School asked if the school should remain closed. The answer was there is no need to close the school due to fears of radiation. There may well be other reasons - structural damage or possible new quakes - but the radiation fear is not supported by scientific measures, even for children.

* Regarding Iodine supplementation, the experts said this was only necessary for those who had inhaled quantities of radiation (those in the exclusion zone or workers on the site) or through consumption of contaminated food/water supplies. Long term consumption of iodine is, in any case, not healthy. The discussion was surprisingly frank and to the point. The conclusion of the experts is that the damage caused by the earthquake and tsunami, as well as the subsequent aftershocks, was much more of an issue than the fear of radiation sickness from the nuclear plants. Let's hope the experts are right!"


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Tenno ruft Nation zum Zusammenhalt auf

Der Tenno hat eine in der Nachkriegszeit einmalige Rede an die Nation gehalten. Das zeige, dass beispiellose Ausmaß der Krise, sagte mir ein Shinto-Experte. Denn normalerweise tritt der Tenno erst auf, wenn der Wiederaufbau begonnen hat. Während der Krise betet er gewöhnlich für das Wohl der Nation. Doch heute plädierte er im Fernsehen an die Menschen in den Krisenregionen ihre Hoffnung nicht aufgeben und die Stärke finden, diese schwierige Situation zu überkommen. 
Und die Nation bittet er, gemeinsam einen Weg zum Wiederaufbau zu finden. 
Ein geschickter Schachzug der Regierung sei es gewesen, den Tenno auftreten zu lassen und den Zusammenhalt der Nation zu beschwören, so ein der Experte.


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Dienstag, 15. März 2011

Neues Großbeben, diesmal in Tokai-Region - Das Horrorszenario wird wahr:

Meine Standardantwort über das Ausmaß des Mega-Bebens in Japan war immer: Es kann noch schlimmer kommen. Nun ist es vielleicht soweit. Unter der Präfektur Shizuoka hat die Erde gebebt. Das könnte entweder das gefürchtete Tokai-Erdbeben gewesen sein oder vielleicht doch nur ein Vorbote für das richtige große wie beim Megabeben vor Nordjapan. Es hatte nur eine 6 auf der Richter-Skala, während das erwartete eine 8 vor dem Komma haben soll. 

Die Region ist nicht nur weitaus wichtiger für Japans Wirtschaft als der Nordosten. Auch drohen nun die Zugverbindungen zwischen Tokio und Osaka unterbrochen worden zu sein. Außerdem könnte auch der Hamaoka-Reaktorkomplex betroffen werden, der für Tokyo noch gefährlicher ist.


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Noch in Tokio

Explosion im Meiler 2, Erweiterung der Sicherheitszone auf von 20 auf 30 Kilometer - und der Wind hat gedreht und bläst Richtung Tokio ... Es sind 200 Kilometer.
Die News sind schlecht, doch noch heißt es von unabhängigen Experten, dass Tokio sicher ist. Ich bleibe daher vorerst.

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Montag, 14. März 2011

Katastrophe hoch 3

Auf Technology Review mein Blog über die dreifache Mega-Katastrophe.

http://heise.de/-1207012

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Deutsche Unternehmen haben schon evakuiert

Viele deutsche Unternehmen haben schon am Sonnabend nach dem Beben begonnen, Manager und Familien aus Tokio abzuziehen. Viele Familienangehörige werden über Osaka ausgeflogen. Auch die Handelskammer ist evakuiert und beobachtet von Osaka aus die Lage.
Die deutsche und französische Botschaft empfehlen, den Großraum Kanto zu verlassen.
NHK berichtet, dass nach dem starken Nachbeben vor der Küste Ibarakis heute morgen (6,2) Rauch über Meiler 3 im AKW-Komplex Fukushima steht.


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In Tokio stoppen die Züge

Die Auswirkungen des Tohoku-Bebens lähmen Japans Nervenzentrum, den Großraum Tokio. Tokios Stromversorger Tepco hat angekündigt, dass es wegen mangelnder Stromversorgung bis mindestens Ende April zu gezielten Stromunterbrechungen in weiten Teilen des Netzes kommen wird. Abwechselnd soll in den designierten Gebieten der Strom für drei Stunden ausgeschaltet werden. Mit dieser beispiellosen Maßnahme soll die Stromversorgung für das Stadtzentrum gesichert werden, wo die Regierung, die Banken und viele Firmen ihren Sitz haben. 
Viele Zugverbindungen auch auf den Hauptpendlerstrecken sind eingestellt worden. Selbst die Tokaido Linie, eine der Hauptverbindungen zwischen Yokohama und Tokio, ist schwer betroffen. Andere Linien fahren nur eingeschränkt. 
Die Büros sind nahezu verwaist. Bei einer Freundin haben es nur 20 Prozent der Angestellten geschafft, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Die Zahl wird im Laufe des Tages noch steigen. Denn viele Menschen versuchen, auf Umwegen doch noch zur Firma zu kommen. 
Ich habe eben einen Mann gesprochen, der drei Stunden von Yokohama bis nach Tokio gebraucht hat. "Die Züge waren gestopft voll", erzählt er. 




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Erdbeben erschüttert Japans Energiepolitik

Ein möglicher Gau im Bebenreaktor von Fukushima erschüttert die Grundlagen von Japans Energiepolitik: die Mär von absoluten Erdbebensicherheit von Japans Atomreaktoren.

Masashi Goto haftet wahrlich nicht der Geruch eines Kernkraftgegners an. Bis vor eineinhalb Jahren war er nach eigener Aussage Gruppenleiter für das Design von Reaktorsicherheitsbehältern beim Kraftwerksbauer Toshiba, der den Krisenreaktor in Japans Erdbebengebiet gebaut hat. Doch gestern warnte er öffentlich vor der Gefahr eines zweiten Tschernobyl. Er halte die Gefahr zwar für sehr gering, aber sollten alle Kühlungsversuche versagen, könnte eine Kernschmelze einer gewaltigen Dampfexplosion führen. Radiokativität könnte weit über den bisherigen 20-Kilometer weiten Sperrbezirk oder 50 Kilometer verteilt werden. „Meine große Sorge ist allerdings, dass eine Explosion in einem auch die anderen Meiler berühren könnte“, sagt Goto. Im schwersten betroffenen Kraftwerkskomplex Fukushima 1 stehen die drei aktiven Reaktoren dicht nebeneinander. Und bei allen gibt es Probleme mit der Kühlung des Kerns, weil die Energieversorgung der Notgeneration fürs Kühlsystem teilweise unterbrochen war.

Goto ist der erste Fachmann aus der Industrie, der öffentlich über einen Super-Gau spricht. Es ist seine Art des Protests gegen die Informationspolitik der Regierung und der Medien, die die Bürger bisher nicht mit dem Durchspielen von Horrorszenarien belasten. Die Situation in den von einem Megabeben beschädigten zwei Kernkraftwerkskomplexen in Fukushima sei unter Kontrolle. Eine Gefahr der Überhitzung bestünde nicht, so Offizielle. "Die Regierung erklärt die Situation nicht offen genug", kritisiert Atsushi Yamada, Journalist der Zeitschrift Aera.
Bislang mahnt nur das „Citizen's Nuclear Information Center“ (CNIC), eine kleine, aber hochangesehene Bürgergruppe, vor den Gefahren. „Von den zehn Meilern der zwei Anlagen besteht bei sieben zumindest die Möglichkeit einer Kernschmelze", sagt CNIC-Chef Hideyasu Ban, früher Mitglied der japanischen Atomplanungskommission.  Die anderen drei nicht betroffenen Meiler waren gerade abgeschaltet, als das Beben und der vernichtende Tsunami trafen.
Der Meiler eins der sechs Meiler vom Kraftwerkskomplex Fukushima 1 konnte nur durch verzweifelte Notoperationen am Durchbrennen gehindert werden. Erst ordnete die Regierung an, radioaktives Gas abzulassen. Dann ließ sie mit Bor versetztes Meerwasser in den Kern und den Sicherheitsbehälter pumpen. Damit kann dieser Meiler niemals mehr ans Netz gehen. Nun hat die Regierung auch den Meiler 3 auf gleiche Weise geopfert, weil die Kühlung ausgefallen war. Sogar der vorsichtige Kabinettamtschef Yukio Edano hat zugegeben, dass sich die Brennstäbe in dem Reaktor bereits verformt hätten. 
Noch besteht wie gesagt keine unmittelbare Gefahr. "Wir sind noch weit von einem Tschernobyl-Szenario entfernt", sagt ein Experte im Außenministerium. Andere Experten sagen, dass der Fall-out selbst bei einer Explosion räumlich weit beschränkter als in Tschernobyl sein würden. Aber schon die entfernte Möglichkeit eines Gau reicht, damit die deutsche und die französische Botschaften fordern ihre Bürger mehr oder weniger direkt zum Verlassen der Region Tokio auf. 
Die deutsche Botschaft schreibt auf ihrer Homepage: „Die Botschaft empfiehlt, die japanischen Medien aufmerksam zu verfolgen. Sie empfiehlt ferner allen Deutschen im Krisengebiet und im Großraum Tokyo/Yokohama zu prüfen, ob ihre Anwesenheit in Japan derzeit erforderlich ist, und, wenn dies nicht der Fall sein sollte, ihre Ausreise aus dem Land in Erwägung zu ziehen. Dies gilt insbesondere für Familien mit kleinen Kindern.“ Frankreich tut das gleiche, mit Hinweis auf ein mögliches Großbeben im Raum Tokio.
Ein aus Bans Sicht willkommenes Opfer könnte allerdings das ehrgeizige Atomprogramm der Regierung werden. Seit Jahrzehnten setzt Japans auf Atomkraft, um das ressourcenarme Land unabhängiger vom Öl zu machen – allen Warnungen vor Erdbeben zum Trotz. 55 Meiler produzieren 34 Prozent des Stroms für Asiens zweitgrößte Wirtschaftsmacht. Die Regierung will den Anteil mittelfristig auf 40 Prozent und langfristig auf 70 Prozent erhöhen. 
Kritik wurde unterdrückt, obwohl schwere Unfälle die Skepsis in der Bevölkerung haben steigen lassen. 1994 kam es im experimentellen Schnellen Brüter zu einem schweren Brand. 1999 kam es im Atomforschungszentrum zu einer nuklearen Kettenreaktion, als drei Mitarbeiter ungesichert hochangereichertes Uran zusammenrührten. 2007 gab es sogar eine regelrechte Generalprobe für das heutige Desaster. 
Direkt unter dem größten Kraftwerkskomplex der Welt in Kashiwazaki-Karima in der Präfektur Niigata bebte die Erde und zwar dreimal stärker als das maximal für möglich gehalten Beben. Es brannte auf dem Reaktorgelände, Radioaktivität trat aus. Doch nichts schlimmes passierte. Die Regierung sah sich in ihrer Mär von der Erdbebensicherheit bestätigt und forcierte den Ausbau der vermeintlich so sauberen Energie. 
Diesmal allerdings war das Beben nicht nur dreimal, sondern 10 mal stärker als für möglich gehalten. Und die Reaktoren haben nicht standgehalten. Zum Glück bläst der Wind in Richtung Meer. Ban von CNIC fordert daher den Einstieg in den Ausstieg. Vielleicht werden ihn die Japaner diesmal anhören. denn die Japaner versetzt das Drama am Meiler in Fukushima wirklich in Angst. 


(PS bitte tippfehler zu entschuldigen)
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Samstag, 12. März 2011

Das Beben in Japan

Ich war gerade in Yurakucho im technischen Kaufhaus Bic Camera im 2. Untergeschoss als das Beben traf. Wir wussten gleich, dass dies ein Megabeben sein musste, denn so hatte es seit Jahrzehnten nicht mehr in Tokio gewackelt. 
Doch erst als ich nach draussen gegangen bin, wurde mir das Ausmaß des Bebens ansatzweise bewusst. Der Boden fühlte sich an wie Wackelpudding. Wir konnten das Schwingen der Hochhäuser mit blossem Auge sehen. Und immer wieder kamen Nachbeben. 
Nach ein bisschen Herumstromern ging in den Foreign Correspondents' Club of Japan (FCCJ), um mich ans Arbeiten zu setzen. Die Fahrstühle standen still. Und so musste ich die 20 Stockwerke zu Fuß hinauflaufen. Im Treppenhaus lagen Farbplacken, Mörtel und ein paar Damenschuhe herum. 
Im FCCJ war ein bisschen mehr Verwüstung zu sehen (siehe Foto). Mehrere Menschen waren umgestürzt, als das Beben traf. So gewaltig bewegte sich der Turm. 
Seither haben die Nachbeben nicht aufgehört. Es wackelt selbst hier in Tokio fast alle zehn Minuten, selbst heute am Sonnabend morgen. 

Hier noch ein paar Notizen von gestern nacht.
Aber die Nachrichten sind ja voll vom Beben.

Japan ist am Freitag von dem stärksten Erdbeben in der Erinnerung des Landes getroffen worden. Mit einer Magnitude von 8,8 auf der Richter-Skala ist es das fünftstärkste Erdbeben der Welt seit 1900. Nach einer Messung des US Geological Survey schlug der Seismograph sogar bis 8,9 aus. Die Erdstöße waren so heftig, dass sogar die Menschen im 350 Kilometer südlich vom Epizentrum gelegenen Tokio in Angst und Schrecken versetzt wurdne.
Die Schäden in den am stärksten betroffenen Präfekturen Miyagi und Iwate im Nordosten des Landes sind noch nicht abzuschätzen. Denn nach dem Beben verwüstete zudem ein bis zu zehn Meter hoher Tsunami die Küste. Die Zahl der Toten wird vermutlich in die tausende gehen.

Ein Erdbeben dieser Stärke in der Region ist selbst für die an Erdbeben gewohnten Japaner ein Schock. "Wir hätten niemals erwartet, dass ein Beben dieser Stärke die Region Sanriku trifft", sagte Hirofumi Yokoyama von Japans Wetteramt, das für die Erdbebenmessung und Tsunami-Warnung zuständig ist. Sanriku ist der Name der Region. Das Beben übertrifft nicht nur das Große Kanto-Erdbeben aus dem Jahr 1923, bei dem mehr als 100000 Menschen im Großraum Tokio starben. Es ist sogar größer als ein Beben in der Tokai- und Nankai-Region von 1707, dass auf eine Stärke von 8,6 bis 8,7 geschätzt wird. Das letzte Beben, das mehr als 1000 Tote forderte, datiert aus dem Jahr 1995. Bei einem Beben der Stärke 7,3 starben mehr als 6000 Menschen in der westjapanischen Stadt Kobe.

Die ersten Bilder aus der Region zeigten Bilder des Schreckens. Kollabierte Häuser, Erdrutsche und großflächige Brände wie im Dorf Kesennuma in der Präfektur Miyagi. Doch am schlimmsten könnte der folgende Tsunami gewütet haben. Ein bis zu zehn Meter hohe Wasserwalze schob Schiffe, Container und Autos kilometerweit ins Land, riss ganze Dörfer mit. Und auf dem Weg zurück rissen das Meer seinen Fang wieder mit. Luftaufnahmen zeigten Häuser, Autos, Container und Schiffe durch die Buchten treiben.

Auch im Atomkraftwerk in der Präfektur Fukushima loderten Flammen. Kurzzeitig schien es so, als ob bei einem Meiler sogar die Kühlung versagen würde. Doch später am Abend gab die Präfektur Entwarnung.

Die Opferzahlen steigen stündlich an. Zuletzt gab es 1000 bestätigte Opfer. Allein im am Pazifik gelegenen Stadtteil Wakabayashi der Millionenmetropolen wurden 200 bis 300 Leichen gesichtet. Die Zahl der Vermissten wird mit mehreren hundert angegeben. Im Rest Sendais haben 60000 bis 70000 Menschen in Notunterkünften Zuflucht gesucht. Der Zugverkehr war bis spät in die Nacht unterbrochen. Handynetze funktionierten nicht.

Zum Glück für die Bewohner ist Japan so gut wie kein Land auf Megabeben vorbereitet, denn das Leben mit Beben ist Alltag. Da das Inselreich auf den Bruchkanten mehrerer Erdplatten thront, ist es das erdbeben- und vulkanreichste Land der Welt. Täglich bebt irgendwo die Erde. In keinem Land sind die Häuser daher so erdbebensicher wie in Japan und die Menschen so gut auf Katastrophenbewältigung trainiert.

Das Wetteramt hat Minuten nach dem Erdbeben eine Tsunami-Warnung ausgegeben, die Regierung einen Krisenstab eingerichtet. Der Gouverneur der Region Miyagi forderte sofort Unterstützung von Japans Militär an. Japans Regierung scheute sich sogar nicht, die im Lande stationierten US-Truppen um Hilfe anzurufen. Finanzminister Yoshihiko Noda versprach, dass Geld ungeachtet der hohen Staatsverschuldung von fast 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Wideraufbau zur Verfügung gestellt wird. Und die Notenbank kündete für Montag eine Krisensitzung an, um die Wirtschaft zu stützen und die Finanzmärkte zu beruhigen. Denn auf das Land kommen enorme volkswirtschaftliche Kosten zu. Es ist noch nicht abzusehen, wie groß die sein werden. Aber die Reichweite des Bebens lässt schlimmes vermuten.

Nicht nur der Nordosten, sondern auch der Großraum Tokio mit seinen 36 Millionen Menschen wurde vom Beben betroffen. In Tokio selbst erreichte das Beben immerhin noch die Stärke 5+ auf der siebenstufigen japanischen Erdbebenskala, die Beben nach der Verwüstung an der Erdoberfläche einordnet.

In Hochhäusern stürzten Menschen, die gingen, wegen der Schwingungen zu boden. Selbst fest verankerte Regale wurde aus der Wand gerissen. Auch in Tokio standen bis 21 Uhr alle Züge still. Handys funktionieren wegen der Überlastung der Netze nur sporadisch. Und am Horizont mahnte himmelhohe Flammen einer Raffinerie der Ölgesellschaft Cosmo in Tokios Nachbarpräfektur Chiba, dass die Hauptstadt noch einmal glücklich davon gekommen war.

Selbst ein Beben wie in Kobe würde nach einer amtlichen Simulation aus dem Jahr 2005 in Tokio im schlimmsten Fall 11000 Tote fordern und Schäden in Höhe von rund einem Fünftel des japanischen Bruttoninlandsprodukts verursachen. Ein Beben der Stärke 8 ist offiziell niemals durchgerechnet worden. Aber es gehört wenig Phantasie dazu, sich ein Armageddon wie beim Großen Kanto-Erdbeben vor 90 Jahren auszumalen. Ein Beben vom gestrigen Ausmaß unter Tokio ist bisher einfach unvorstellbar gewesen.

In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten wird nun die Auswertung der Naturkatastrophe beginnen. Nach jedem Beben wurden die Baurichtlinien verschärft und Bauten nachträglich erdbebensicherer gemacht. So wurde der denkmalgeschützte Tokioter Bahnhof in seiner gesamten Länge auf Puffer aus Gummi und Stahl gestellt, um ihn selbst Erdbeben der Stärke 8 unbeschadet überstehen zu lassen. Aber dieses Beben erschüttert alle Grundannahmen und damit möglicherweise die Atomindustrie des Landes, die mehr als 30 Prozent des Stroms liefert, weil Japans Forscher es niemals für möglich gehalten hatten.  Mehrere Atomkraftwerke stehen in der Nähe oder direkt auf geologisch aktiven Falten. Bisher galten sie als sicher genug. Doch vielleicht muss die Regierung diese Position nun überdenken.

Donnerstag, 10. März 2011

News: Sony bringt Thronfolger in Stellung, Innerjapanische Börsenfusion, Bankchef fordert Kontrolle der Notenbanken, Südkoreas Angst vor der Inflation

Die News vom Tage, sporadisch, subjektiv und ohne Gewähr:

Sony befördert Playstation-Chef Hirai zu Stringers Thronfolger
Im Rahmen eines großen Konzernumbaus befördert Sony Kaz Hirai, den Chef der Videospielsparte, zum zweitwichtigsten Manager hinter Konzernchef Howard Stringer. Hirai wird die Führung für das neugegründete Segment der Konsumelektronik und Netzwerke übernehmen, die weit über 60 Prozent des Konzernumsatzes erzielen. Sein Konkurrent um den Job der Nummer zwei, Yoshioka, wird sich künftig um das Unternehmenskundengeschäft, Komponenten wie Bildsensoren und neue Geschäftsbereiche wie Akkus für Elektroautos kümmern. 
Experten sehen darin eine Vorentscheidung für die Nachfolge des 69. jährigen Konzernchefs, der seinen Vertrag nochmal verlängert hat. Hirai war einer der "vier Musketiere" (O-Ton Stringer), die Stringer bei der letzten Restrukturierung als seine Stelltvertreter eingesetzt hat. 
Die größten Erfolge hatten Hirai mit der Sanierung der Spielesparte und Yoshioka mit der Sanierung der TV-Sparte vorzuweisen. Doch Hirais Expertise im Geschäft mit Inhalten und dem Netzwerkgeschäft entschieden das Rennen, sagen Insider. Denn Stringer sieht im Angebot von Inhalten über Online-Plattformen wie Sonys Playstationnetzwerk die Zukunft des Konzerns. 
Aber Stringer versucht, den Druck auf seine verbliebenen zwei Samurais hochzuhalten. Das Rennen um die Nachfolge sei noch nicht vorbei, so Stringer.

Japans Börsen wollen fusionieren
Nach jahrelangem Zieren geben Japans Börsen überraschend schnell dem Druck der weltweiten Fusionswelle in der Finanzwelt nach. Übereinstimmend erklärten der Chef der Tokio Stock Exchange (TSE) Saito und der Osaka Stock Exchange (OSE) heute, dass sie so schnell wie möglich Fusionsverhandlungen beginnen wollen. Durch die Kombination der beiden Börsen würde einer der wichtigsten integrierten Handelsplätze für Aktien und Derivate in Asien entstehen. Die TSE hat die drittgrößte Marktkapitalisierung der Welt, während die OSE Japans größter Handelsplatz für Derivate ist.
Saito bezeichnete dies als ersten Schritt für eine weitere globale Expansion von Asiens zweitgrößtem Finanzmarktplatz. "Alle Integrationsverhandlungen sollten eher mit einer Börse daheim anfangen als mit einer in Übersee", so Saito, "falls die Dinge so bleiben wie sie sind, würde Japans Wertpapiermarkt an Wettbewerbsfähigkeit verlieren."
Wie groß der Druck geworden ist, unterstreicht die Hast der Börsenchefs. Der Chef der Börse Osaka forderte heute, die Verhandlungen für die Rahmenvereinbarung bereits in drei Monaten fertig auszuhandeln. Und Saito kündete im Gegenzug an, die Pläne für den Börsengang der TSE zu beschleunigen und bereits im April mit Vorbereitung für den Aktienverkauf zu beginnen. Ein Börsengang der Tokioter Börse ist Voraussetzung für eine Fusion.

Bankchef fordert Überwachung der Notenbank
Um erneute Finanzblasen zu verhindern, hat der Chef der Sumitomo Mitsui Bank hat heute eine schärfere Kontrolle der Geldpolitik anstatt einer Reglementierung der Banken gefordert. Geldpolitik sei für die Entstehung der Blasen Verantwortlich gewesen. Eine zu starke Reglementierung der Banken hingegen laufe Gefahr, zu einem einheitlichen und damit einem Herdenverhalten der Finanzhäuser zu führen. 


SÜDKOREA
Inflationsangst in Südkorea - Südkoreas Notenbank hebt Zinsen an
Auf drei Prozent, um genau zu sein. Damit will die Bank von Korea die Inflation zügeln, die Südkoreas Wirtschaft zu schaden droht. Denn die Preise stiegen im Februar um 4,5 Prozent. Der Wert liegt bereits weit oberhalb des Inflationskorridors von zwei bis vier Prozent, den die Notenbank als ihre Wohlfühlzone definiert hat. 
Die Inflation steigt immer rasanter. Experten warnen vor schädlichen Auswirkungen auf die Wirtschaftswundernation, die weiter mit über fünf Prozent jährlich wächst. 

Mittwoch, 9. März 2011

BILD: "Chaos nach Erdbeben in Japan"

Ich sehe gerade, dass das heutige Erdbeben in Japan es sogar auf Spiegel Online und Bild Online geschafft hat. Besonders nach der Überschrift in Bild "Chaos nach Erdbeben in Japan" musste ich doch noch mal aus dem Fenster schauen, ob mir heute irgendetwas entgangen ist. Meine Antwort: Traue keiner Überschrift, die du nicht selbst "zugespitzt" hast.

Ein paar Anmerkungen:
1. Erdbeben dieser Stärke kommen hier recht häufig vor. 
1995 starben bei einem ähnlich starken Erdbeben bei Kobe über 6000 Menschen. Ein Beben dieser Stärke direkt unter Tokio würde nach dem amtlichen Horrorszenario bis zu 11000 Tote und ein Schaden in Höhe eines Viertels des Bruttoinlandsprodukts Japans fordern. 1923 starben im Großraum Tokio bei einem allerdings weit stärkeren Beben (7,9 auf der Richter-Skala) mehr als 100000 Menschen.
Ein Beben der 8er-Klasse wurde im übrigens offiziell noch nie durchgerechnet. Ein Erdbebenberater der Regierung erklärte mir mal, warum: Die Schäden wären so schwer, dass die Ergebnisse die Menschen entmutigen würden und sie daher vielleicht auf Vorbeugemaßnahmen verzichten würden. Aber der Staat will sie halt dazu anhalten, sich auf den Ernstfall vorzubereiten, um möglichst viele Menschenleben zu retten, und rechnet daher lieber "beherrschbare" Szenarien durch.

2. Das heutige Beben haben wir allerdings schon wieder abgehakt, weil es a) weit weg passiert ist und b) offenbar wenig mehr angerichtet hat als die Hochhäuser in Tokio zum Schwanken zu bringen. Das "Chaos" war der Stop der Shinkansen-Züge, die bei jedem Beben wie auch häufig bei den ebenfalls nicht seltenen sintflutartigen Regenfällen angehalten werden. 
Ich war gerade im Foreign Correspondents' Club of Japan in der obersten (der 20.) Etage unseres Hochhauses, als die Wellen trafen. Es fühlte sich schon stark genug an, die amtliche Erdbebenmeldung anzuschauen, aber es war noch nicht wirklich besorgniserregend.

3. Und zum Abschluss verrate ich gerne wie die Erdbebenprävention aussieht: Jeden Tag ein Gebet, dass man nicht gerade in Tokio ist, wenn das Megabeben trifft. Oder wenn man doch das Pech hat, da zu sein, dass man sich dann doch bitte in einer Baustruktur befindet, die nicht zusammenbricht. 
Hört sich fatalistisch an, und genauso ist es auch. Erdbeben gehören in Japan zum Alltag, starke inklusive. Wir sitzen hier nun mal auf der Kante verschiedener Erdplatten und sind daher mit Beben und Vulkanen im Überfluss ausgestattet.

Montag, 7. März 2011

Schwerer Wintereinbruch in Tokio

Nach ein paar frühlingshaften Tagen hat Tokio heute einen schweren Wintereinbruch erlitten. Es hat doch wahrhaftig zum zweiten Mal in diesem Winter geschneit. Ein paar Flocken zwar nur, aber gefühlt ist das extremes Winterwetter in Tokio. Die Temperatur ist um etwa 11 Grad auf vier Grad gefallen.
Zum Glück sind diese Schneematschtage in Tokio selten, da Tokio sich des Winters in der Regel permanenter Fönwetterlage erfreut. Dank der Berge schneien die eisigen Winde aus Sibirien, die sich über der japanischen Meer mit Feuchtigkeit vollgesogen haben, auf dem Luv der Massive ab. Wir hier im Lee haben dafür reinstes Kaiserwetter und sehr trockene Luft. Als Norddeutscher ist der Tokioter Winter meine liebste Jahreszeit. 

Donnerstag, 2. Dezember 2010

News: Tech-Blog - Der iPhone-Tanz, Nordkorea treibt Japan und Südkorea in die Zusammenarbeit

Auf Technology Review ist heute mein Blog zum iPhone-Tanz erschienen. Damit meine ich das Phänomen, dass sich immer mehr junge Menschen selbst beim Tanzen mit der Liebsten selbst mit dem iPhone filmen.


Ansonsten aus den NEWs:
Nordkorea treibt Südkorea und Japan in die Umarmung
Nordkoreas Artillerieangriff scheint etwas zu schaffen, was bisher kaum möglich schien: Als Reaktion auf den Angriff scheinen Südkorea und Japan diplomatisch und militärisch enger zusammenzurücken. Nach japanischen Medienberichten wird Südkorea voraussichtlich erstmals Beobachter zu einem US-japanischen Großmanöver entsenden. 
Das seit einem Jahr geplante einwöchige Großmanöver, an dem 40000 Soldaten teilnehmen werden, unterstreicht, dass die Eskalation des Korea-Konflikts Südkorea und Japan trotz ihrer Territorialkonflikte auch diplomatisch wie militärisch enger zusammenrücken lässt. 
US-Aussenminister Hillary Clinton hat bereits weitere trilaterale Gespräche mit den zwei Verbündeten der USA in Asien angekündigt. Derweil blockiert China die Handlungsmöglichkeiten der Triade im Sicherheitsrat der vereinten Nationen.

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Montag, 29. November 2010

News: Korea-Konflikt: Musterhafte verbale Aufrüstung, Nissan-Chef Ghosn bloggt in der Nikkei, Sharp verhaut den Start seines Tablet-PCs, Toshibas TV-Sparte setzt letzte Hoffnung auf Asean

Die News, noch sporadischer als sonst wegen des Korea-Konflikts, immer noch subjektiv und erst recht ohne Anspruch auf Vollständigkeit: 

Korea-Konflikt: Musterbeispiel in verbaler Aufrüstung
Bisher ist die Lage ruhig an der Front, auch wenn Nord- und Südkorea mächtig auf die Kriegspauke hauen. Denn beide Seiten versehen ihre Drohungen immer mit dem Zusatz, nur Angriffe der anderen Seite militärisch vergelten zu wollen. 
Was einen Angriff darstellt, ist zwar im Zweifel interpretationswürdig. Aber die Wortwahl ermöglicht es beiden Regierungen, nach innen Härte zu zeigen, aber gleichzeitig die Tür für Gespräche offen zu halten. 
Das Risiko der Strategie ist natürlich, dass sich beide Seiten unter Zugzwang setzen. Wenn etwas passiert, müssen sie ihren Worten Taten folgen lassen, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren.


Japan
Unternehmen: Nissan und das Elektroauto - Ghosn bloggt in der Nikkei
Davon kann ein Unternehmen nur träumen: Japans führende Wirtschaftszeitung Nikkei lässt Carlos Ghosn vor dem Start von Nissans Elektroauto Leaf in diesem Freitag Blogs veröffentlichen. Fünf mal darf Ghosn seine Sicht von der Zukunft der Mobilität äussern, bevor er am Freitag den Vorhang für die Premiere von Nissans ersten Angebot zur Massen-E-Mobilisierung hebt.
Die Erwartungen sind hoch, die Frage allerdings ist, ob die Kunden die Erwartungen erfüllen. 


iPad Rivale von Sharp: Fragwürdiger Start
Sharp stellt eBook-Reader zum iPad-Preis vor
Sharp hat zwei Geräte entwickelt, die aussehen wie Rivalen für Apples iPad oder das kleinere Samsungs Galaxy, die aber nur eBook-Reader sein sollen. Eine Million Stück will der Elektronikhersteller 2011 von denen verkaufen, aber der heute veröffentlichte Preis weckt Zweifel. 
Das 10 Zoll-Modell soll mit 50000 Yen soviel kosten wie ein iPad, ohne dessen Funktionen zu bieten. Das 5,5 Zoll-Modell soll immerhin noch ein 40000 Yen großes Loch in die Geldbörse reißen und dafür Zugriff auf gerade mal 20000 Bücher, Zeitungen und Zeitschriftentitel gewähren, die zudem noch in einem von Sharp entwickelten Format dargestellt werden. 
Experten witzeln wegen des eigenen Formats und des hohen Preises, ob der Name vielleicht Programm ist: Sharp hat seine Geräte "Galapagos" genannt. Der Begriff steht in der Elektronikindustrie für Produkte aus Japan, die vielleicht technisch Spitze sind, aber nur in Japan verkauft werden können. Sharps Galapagos könnte nun das gleiche Schicksal drohen.

Toshiba: TV-Strategie fokussiert sich auf asiatische Schwellenländer
Toshiba will durch eine Konzentration auf die asiatischen Schwellenländer als globaler TV-Hersteller überleben. Durch den Start einer Reihe von Flach-TVs in der Region will Toshiba in den boomenden Asean-Staaten im Jahr 2011 einen Marktanteil von 20 Prozent erobern. 
Toshiba ist als TV-Hersteller in der Defensive. Das Unternehmen hat sich bereits aus der Produktion von eigenen LCDs für TVs verabschiedet. Aber das Management tut sich schwer, bei einem der letzten Aushängeschilder des Konzerns in der Elektronikindustrie die Stecker zu ziehen. Mit einem hohen Marktanteil in den Asean-Staaten könnte der Konzern ein Standbein gewinnen, sein TV-Geschäft global zu halten.

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Montag, 22. November 2010

Nordkoreas Urananreicherung: "Es ist keine Krise" (nur ein kleiner Realitätsschock)

Langsam wird jedem klar, dass wir wohl lernen müssen, mit Nordkoreas Bombe zu leben. Man mag es mögen oder nicht, Nordkorea wird seinen Status als Atommacht wohl nicht aufgeben. 


Nordkoreas Urananreicherungsprogramm wühlt die Medien in Ostasien auf. Aber der Chefunterhändler der USA, Stephen Bosworth, gab sich am Montag in Seoul gelassen: „Dies ist offensichtlich eine enttäuschende Nachricht, es auch ein weiterer Schritt in der einer Serie von Provokationen. Dennoch ist dies keine Krise. Wir wurden davon nicht überrascht. Wir haben das Vorhabendes Norden. Uran anzureichern, seit einiger Zeit beobachtet und analysiert.“

Bosworth sagte auch, dass die US-Regierung dadurch nicht ihre bisherige Nordkorea-Politik als Fehlschlag einstufen würde. Allerdings müsse sie „weiterentwickelt“ werden. „Wir müssen dies (die neue Entwicklung) künftig in unsere Strategie einbeziehen.“

Der US-Alliierte Südkorea gab sich hingegen überrascht und besorgt von der Nachricht. Verteidiungsminister Kim Tae-young drohte gestern, dass Südkorea die USA wieder bitten könnte, Atomwaffen in Südkorea zu stationieren.

Auch die Medien fordern eine Kurswende. Die jüngste Enthüllung „markiert eine neue Phase“, schrieb die Tageszeitung Hankyoreh. Gleichzeitig ließ sie Moong, Chung-in, Professor von der Yonsei-Universität das Ende der bisherigen Taktik der Staatengemeinschaft verkünden, Nordkorea zu einer nukleare Abrüstung zu zwingen. Die Anreicherungsanlage zeige klar, „es ist unmöglich ist, das Problem durch Sanktionen allein zu lösen. Wenn wir nicht Verhandlungen anstreben, bleiben nur noch militärische Maßnahmen.“

Doch für Doug Bandow vom Cato Institut sind auch diese beiden Optionen fruchtlos. „Nordkorea ist eine nukleare Macht. Die US sollten sich daran gewöhnen“, stellte er in einem Gastartikel für die Korea Times fest, „Washingtons Versuch, die demokratische Volksrepublik Korea darin zu hindern, Atomwaffen anzuschaffen, ist tot.“ Verhandlungen würden nicht schaden, aber wahrscheinlich auch nutzlos sein. Zu wertvoll seien die Atomwaffen außen-, doch vor allem innenpolitisch fürs Regime. Denn indem Nordkoreas Führer Kim Jong-il seinen Generälen die Bombe gibt, hält er sie bei der Fahne.

Bandows Vorschlag: Die USA ziehen die Truppen aus Korea und ihre Diplomaten aus den Verhandlungen ab und überlassen das Problem den Nachbarn. Für den Fall, dass der Norden weiter aufrüstet, schlägt er vor, Japan und Südkorea die atomare Bewaffnung zu erlauben. „Die Verbreitung von Atombomben in Nordostasien mag ein Albtraum sein, aber es wird einer sein, den auch Beijing teilt.“

Wahrscheinlicher ist jedoch ein Szenario, dass Südkoreas Ministerpräsident Lee Myung-bak bei einem Treffen mit einem japanischen Oppositionspolitiker in Seoul andeutete, ein Ausbau der Zusammenarbeit mit Japan und den USA. „Japan, Amerika und Korea müssen gut zusammenarbeiten und eine Antwort finden“, so Lee gestern.


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Freitag, 19. November 2010

Auto-Test: "Der leise Tod" / Toyotas elektrische Autos im Vergleich

Gestern hatte Toyota ein Test-Event in Tokio: Wir konnten drei elektrische Autos fahren, 
1. den elektrischen iQ, der 2012 in den USA, Europa, Japan und vielleicht auch in China auf die Straße kommen sollen
2. den Plug-in Prius, der dann auch in größerer Stückzahl produziert werden soll
3. und den Brennstoffzellenschlitten Toyotas. 


Die Teststrecken waren zu kurz für abschließende Urteile. Aber mein Fazit: Kleine EVs sind brutaler Fahrspaß. Sie erziehen zum Rasen. Sie verdienen daher die Auszeichnung: "der leise Tod".
Größere eAutos hingegen eher sind leise Gleiter, sehr entspannend, wenn auch ein wenig langweilig. Toyotas mit Tesla entwickelter electrischer SUV RAV 4 soll hingegen eher wie ein Sportwagen anfahren.
Brennstoffzellenautos sind hingegen wirklich noch in der Erprobung.


Wer es genauer wissen möchte, gehe bitte zu TechWatcher Asia
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Donnerstag, 18. November 2010

"Twitter gibt China erstmals volle Redefreiheit" - Chinas Star-Blogger Michael Anti über die Macht Twitters in China und Japans kolossales Missverständnis der chinesischen Politik, Teil 1

Auf Technology Review erscheint am Donnerstag der erste Teil meiner Aufzeichnungen eines Pressegesprächs mit Michael Anti (Zhao Jing), einem der bekanntesten Blogger Chinas.


Der erste Teil dreht sich um das Internet und China, später werde ich noch in einem zweiten Teil schildern, warum Anti meint, dass Japan durch das totale Ignorieren der chinesischen Bloggerszene China gründlich missversteht. 


Twitter belebt Chinas Zivilgesellschaft

Der chinesischer Starblogger- und -Twitterer Michael Anti erzählt in Tokio, wie Twitter China seines Erachtens erstmals in der Geschichte volle Redefreiheit verschafft.

Als studierter Chinakundler (lang ists her) bin ich immer froh, neues über China zu erfahren. Als anregender Quell entpuppte sich Michael Anti, der mit über 30000 Followern viertmeist gefolgte Twitterer der Volksrepublik China (twitter.com/mranti). Zhao Jing heißt er mit bürgerlichen Namen, hält sich gerade für zwei Monate in Japan auf und relativierte einige meiner Vorurteile. Aus meinem japanischen Exil hatte ich in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass Chinas Regierung den Beweis erbringt, wie gut sich das vermeintlich ach so demokratische Internet zur Gedankenkontrolle eignet. Das scheint mir auch noch immer so zu sein, nur eben klappt es bei weitem nicht vollständig, zeigte Anti. Seine These: Durch das Internet und vor allem durch Twitter ist eine „sehr lebendige Zivilgesellschaft“ entstanden.

Seine Aussage überrascht. Denn nur 100000 Chinesen twittern. Aber die wenigen entfalten eine große Wirkung, da sie zur Informationselite des Landes gehören und oft selbst Journalisten sind. Außerdem ist der Charakter von Twitter mit seiner Beschränkung auf 140 Zeichen in China dank des Schriftsystems nicht der eines Kurztext- sondern eines richtigen Nachrichtendienstes. 140 chinesische Schriftzeichen sind bereits ein kleiner Text, 140 Anschläge in Buchstaben nur ein Satz.

Immer wieder schafft es Twitter daher, vor allem von der chinesischen Regierung unterdrückte Geschichte vor allem in ausländische, manchmal aber auch in chinesische Zeitungen zu bringen. Ein Beispiel ist die Ehefrau des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. Liu Xia hat über ihr Twitter-Account twitter.com/liuxia64 der Welt umgehend gepetzt, wie sie von der Staatsmacht unter Druck gesetzt wurde. Und flugs fanden sich ihre Tweets auf BBC wieder. Eine Demo für den Künstler Ai Weiwei, die erste Demo nahe des Tiananmen-Platzes seit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung, schaffte es sogar dank Twitter in die englischsprachige Ausgabe der Global Times einem Sprachrohr der kommunistischen Partei Chinas, inklusive getwittertem Bild. Die Zensoren hätten nicht die Ressourcen, Tweets minütlich zu folgen, erklärt Anti den Erfolg: „Twitter ist die erste nationale Plattform für 100-prozentige Redefreiheit in Chinas Geschichte.“

Man merkt, Anti ist Journalist. Er liebt das starke, überspitzte Zitat. Ganz so gemütlich geht es im Reich der Mitte freilich nicht zu. Der einzelne Twitterant läuft schon noch Gefahr, dass die Polizei an seine Tür klopft, wenn der Obrigkeit ein Tweet missfällt, gesteht Anti. Denn neben den Fans „folgen“ die Zensoren den frechsten Bloggern. Aber im großen Ganzen gesehen kann man Antis Gedankengang dann wieder verstehen. Denn dummerweise (aus der Sicht der Staatsmacht gesehen) ist das Malheur im Zweifel selbst dann schon geschehen, wenn der missliebige Tweet zeitnah gesperrt werden kann. Schließlich können heute schon Minuten für die pandemische Infektion der Netizen mit ungesundem Gedankengut ausreichen.

Mitverantwortlich dafür ist der Charakter der chinesischen Blog-Sphäre, der sich sehr stark von der anderer Länder unterscheidet. Idealtypisch gesehen ist das Internet in den USA das Medium des Anti-Mainstreams, in Japan des privaten Klatsches. In China hingegen ist die Blogsphäre der Tummelplatz professioneller Journalisten der Mainstream-Medien, die gerne mal im Internet Geschichten veröffentlichen, die sie in ihren Blättern nicht los werden, erklärt Anti.

Die Ursache sei Chinas Mediengeschichte, so Anti. Als die kommerziellen Medien im Jahr 2000 ihre Expansion starteten, fanden sie keine qualifizierten Journalisten. Denn die Schulbücher der Journalistenschulen seien „Mist“. Also heuerten die Herausgeber in ihrer Not „Blogger“ der ersten Stunde wie Anti an, die durch ihre Arbeit im Internet bewiesen hätten, dass sie schreiben können. „Ich bin eigentlich ein Computerfreak“, kokettiert Anti mit seiner Vergangenheit. Das Ergebnis: Journalismus und Bloggen seien in China von Beginn an verschmolzen. „Wir können das Internet und die Medien nicht trennen“, so Anti. Für den Staat sei das Internet daher das „Schlachtfeld“. Für Anti ist es hingegen „der Platz der Zivilgesellschaft.“

Das Internet wird das Denken der Chinesen verändern, sagt er voraus. 1. wird die neue Generation Redefreiheit als angeborenes Recht betrachten. „Selbst Nationalisten wollen Redefreiheit, da gibt es Konsens.“ 2. Die jungen Netizen betrachten „Information“ als ihren Besitz und hätten daher auch Google beim Konflikt mit der chinesischen Regierung verteidigt. 3. empfinden immer mehr Menschen und auch die Partei „partizipative Demokratie“ als gut. Der Gesellschaftsvertrag sieht in etwa so aus: Die Partei gewährt recht viele individuelle Freiheiten und vor allem Wohlstandswachstum, dafür verzichten die Bürger darauf, sich politisch zu organisieren. Zuwiderhandlung wird bisweilen wird mit Einkerkerung bestraft, siehe Liu Xiaobo.

Anti warnt uns daher in einem interessanten Dreh seiner Argumentation davor, wegen des Wandels auf eine Demokratisierung Chinas im westlichen Sinne zu hoffen. Partizipative Demokratie sei nicht gleich repräsentative Demokratie mit vom Volk gewählten Politikern, meint Anti. „Es wird nicht in Richtung repräsentative Demokratie gehen.“

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Mittwoch, 17. November 2010

News: Maschinenbauer Gildemeister lässt Mori Seiki ans Tafelsilber, Südkorea betreibt Fussball-Diplomatie, Papa macht Sohnemann zum Samsungchef

Die News vom Tage, sporadisch, * subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: 

Unternehmen:

Der deutsche Maschinenbauer Gildemeister lässt Mori Seiki ans Tafelsilber
Laut der Nikkei hat der japanische Maschinenbauer Mori Seiki beschlossen, seinen Anteil am deutschen Maschinenbauer Gildemeister von fünf auf mehr als 20 Prozent auszubauen. Im Gegenzug kann Gildemeister später das gleiche tun. Ein weiterer Ausbau der Partnerschaft sei geplant, so die Nikkei.
* Dürfte wahrscheinlich stimmen. Aber verifizieren konnte ich das nicht. Denn bisher hat Mori Seiki auf meine Kontaktversuche nicht geantwortet. Das liegt wohl daran, dass Gildemeister-Chef Kapitza die Berichterstattung der FTD nicht mag, da sie den Zweifeln in der deutschen Maschinenbauindustrie an dem Deal mit Mori Seiki Raum eingeräumt hat. Jedenfalls hat mich Mori Seiki in diesem Jahr bei einer PK beider Firmen in Nagoya nicht ins Haus gelassen. Und alle meine späteren Anfragen wurden ignoriert.
Macht der Deal Sinn? Ich bin eigentlich grundsätzlich nicht so skeptisch. Die beiden sind zwar Rivalen, aber gleichzeitig decken sie verschiedene Marktsegmente ab (Gildemeister oben-mitte, Mori-Seki auch unteres Preissegment). Meine These ist schon länger, dass sich deutsche Unternehmen in Japan nach Partnern umschauen sollten, weil es passende Paarungen gibt, bei denen sich beide Seite gut ergänzen.
Ein Vorzeigefall sind die Epcos AG (passive Elektronik) und TDK. Das Epcos-Management hat sich den Japanern förmlich zum Kauf aufgedrängt, weil die Deutschen wissen, dass all ihre tolle Technik nicht viel Wert ist, wenn sie nicht stärker in den Massenmärkten Asiens Fuß fassen. TDK hat daraufhin seine entsprechende Sparte abgetrennt und in ein de facto ziemlich gleichberechtigtes Unternehmen eingebracht. 
Ob das bei Gildemeister auch so gut passt, weiß ich nicht. Die Pressearbeit macht mich allerdings stutzig. Denn in solchen Deals ist Vertrauen in die Absichten der anderen Seite wichtig. Aber wie kann bei einer derartigen Intransparenz bei Gildemeisters Leuten und dem Umfeld in die Absichten der Japaner entstehen? Aber vielleicht agiert Gildemeister-Chef Kapitza intern ja ganz anders.


Südkorea 
WM Bewerbung 2022 - SK nimmt Vereinigung vorweg
Südkorea will einige Spiele in Nordkorea austragen, wenn es den Zuschlag für die Fussball-WM 2022 gewinnt. Stichtag, wenn ich das richtig sehe, ist 2. Dezember..

Samsung
Vater macht Sohn zum Präsidenten
Chairman Lee hat heute bestätigt, dass er dieses Jahr noch seinen erst 42-jährigen Sohn zum President machen will. Der verdingt sich derzeit COO von Samsung Electronics. Mit der Beförderung soll ein weiteres Stühlerücken einher gehen.

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